UPT 2007 in Dublin
Erfolgreich Vorreiter in Europa - UPT 2007 kam „keltischem Tiger“ auf die Spur
Das jährliche Spitzentreffen für europäische Verbundgruppenmanager führte vom 6.-9. September in Dublin, der Hauptstadt der „globalsten Wirtschaft der Welt“.
Dublin, 9.September 2007: Seit Beginn der 90er Jahre erlebt Irland einen in Europa einmaligen, nur mit den sogenannten „asiatischen Tigerstaaten“ (Südkorea, Malaysia, Singapur und Taiwan) vergleichbaren Wirtschaftsboom. Vollbeschäftigung - für die übrigen europäischen Volkswirtschaften trotz guter Konjunkturentwicklung in weite Ferne gerückt - ist auf der grünen Insel überraschende Realität. Umso größer war der Wissensdurst der Spitzenvertreter aus dem europäischen Verbundgruppenmanagement, dem Geheimnis dieses Erfolges, in Anspielung auf die asiatischen Entwicklungen auch „Keltischer Tiger“ genannt, auf die Spur zu kommen. Mehr als 80 Teilnehmer aus 7 Ländern ließen sich durch ein in fachlicher, kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht den höchsten Ansprüchen genügendes Programm führen, welches in bewährter Weise ZGV und ServiCon für das europäische Verbundgruppenmanagement vorbereitet hatte.
Der fachliche Leiter der Tagung, ZGV-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann, würdigte in seiner Begrüßungsansprache die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Iren, die sich in dem aller Orten auf der grünen Insel zu hörenden „Cead Mille Failte“ niederschlage. Dieser Gruß in der von den Iren neben Englisch nach wie vor gepflegten gälischen Sprache bedeute „100.000 mal willkommen“.
Der Konferenztag der UPT sah für den Vormittag eine ausführliche Beleuchtung der jüngeren Entwicklungen und der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen insbesondere für den Mittelstand des im äußersten Nordwesten Europas gelegenen Landes vor.
Der in Vertretung des Präsidenten aus Brüssel angereiste Generalsekretär der europäischen Verbundgruppenorganisation UGAL, Denis Labatut, skizzierte zunächst die globalen Herausforderungen für die mittelständischen Unternehmen. Hierbei erläuterte er die Verhaltensänderungen im Konsum der Menschen, den Klimaschock und die Energiekrise. Auch illustrierte er die Herausforderungen für die Interessenvertretung in einer immer komplexeren Europäischen Gesellschaft.
Der Deutsche Botschafter H. E. Christian Pauls, sparte zur Überraschung seiner Zuhörer die übliche „diplomatische Attitüde“ und schilderte die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Irland unerwartet kritisch. Insbesondere mit der „dem Infarkt nahen“ Verkehrssituation und dem extreme Kosten verschlingenden Gesundheitswesen sowie dem in unerschwingliche Höhen entschwundenen Immobilienmarkt ging er heftig ins Gericht. Er wolle mit dem „Irrtum aufräumen“, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Irland auf massivem Zufluss von Fördermitteln aus Brüssel fuße. Vielmehr seien es massive Auslandsinvestitionen insbesondere aus Amerika zu Beginn der 90er Jahre gewesen, die aus Irland ihre „Werkbank zur Erschließung Europas“ haben machen wollen. Durch den Boom drohe die irische Kultur Schaden zu nehmen. Auch die sozialen Strukturen sah der Botschafter in Gefahr. Die über Jahrhunderte den Menschen Halt stiftende Rolle der katholischen Kirche verliere durch Materialismus und Konsum rapide ihre Funktion.
Der irische Europaabgeordnete Gay Mitchell appellierte an das Auditorium, die Ausführungen des Botschafters differenziert zu betrachten. Schließlich habe sich Irland in weniger als 15 Jahren von der Verwaltung extremen Mangels auf das Management des Wohlstands einstellen müssen. Zugleich trage Irland aus einer Position der Stärke heraus entschlossen dazu bei, die europäische Integration voranzutreiben und Frieden und Freiheit zu erhalten. Nach einer schmerzlichen Auszehrung des Landes in früheren Jahrzehnten durch Auswanderung junger Menschen sei dieser Trend mittlerweile nicht nur gestoppt, sondern es gebe sogar Zuwanderung und für junge qualifizierte Kräfte beste berufliche Perspektiven. Lobend hob er das Verhältnis von jungen zu älteren Menschen in der irischen Bevölkerung hervor. 60 Prozent aller Arbeitskräfte in Irland seien in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt.
Auf die Besonderheiten der mittlerweile durch starke Zuwanderung aus Polen und China geprägte Bevölkerungsstruktur ging Professor Dr. Lois Brennan, Trinity College, Dublin, ein. Rundfunk und Zeitungen seien regional bereits in den Sprachen der Zuwanderer verfügbar. Der Integrationsprozeß der eingewanderten Bevölkerungsgruppen erweise sich aber als erheblich schwieriger, als oft trotz guter gesamtwirtschaftlicher Lage verkraftbar sei. Mit jährlich rund 25 Mio. Menschen, die den Dubliner Flughafen passieren und einem der weltweit größten Zahl von Ansiedlungen internationaler Finanzdienstleister sei Irland die globalste Wirtschaft der Welt.
Holger Erdmann, der die Deutsch-Irische Handelskammer in Dublin vertrat, erläuterte die vielfältigen Chancen für den Mittelstand in Irland. Er zeigte eine attraktive Palette von Dienstleistungen auf, die die Kammer mittelständischen Unternehmen aus dem Ausland für ein wirtschaftliches Engagement in Irland anbietet. Auch zahlreiche Förderprogramme der nationalen Regierung und der EU, die gerade auch Investoren aus dem Ausland als Starthilfe nutzen können, legte er dar.
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen herausragender Praxisbeispiele erfolgreicher Verbundgruppen in Europa.
Fotios Katsardis, Geschäftsführer der in der Autoersatzteilebranche operierenden supranationalen Verbundgruppe Temot International GmbH, illustrierte die vertrauensstiftende persönliche Begegnung zwischen den Geschäftspartner als die wesentliche Voraussetzung für Erfolg. „Geschäft ist persönliche Kommunikation“, so formulierte er hierzu seine Überzeugung. Die 1994 gegründete Gesellschaft sei mittlerweile in 22 Ländern von Skandinavien bis Israel unterwegs. Mit 12.000 Mitarbeitern, 2.000 Niederlassungen und 10.000 verbundenen Werkstätten erziele die Temot einen Gruppenumsatz von 3,8 Mrd. Euro.
Einige Besonderheiten bei der nationalen Implementierung des Temot-Konzeptes in stellte für Irland Donie Dillane, Geschäftsführer der Top Part Holding Ltd, anschaulich vor. So habe etwa zu Beginn der Partnerschaft mit Temot die internationale Ausprägung des Ersatzteile-Katalogs im Wege gestanden. Denn darin seien die Ersatzteile selbst sowie die Sortimente zunächst allesamt auf links gelenkte Fahrzeuge ausgelegt gewesen — für die rechts fahrenden Iren damit unbrauchbar. Mittlerweile habe man aber dazu gelernt und die Zusammenarbeit funktioniere reibungslos, zumal die Temot-Gruppe den Mitgliedern wesentlich mehr biete, als bessere Einkaufskonditionen.
Über das Erfolgskonzept der im Jahre 1990 gegründeten Euronics International brillierte in seinem Vortrag der Präsident dieses in bereits 26 Ländern erfolgreichen Konsum-Elektronik-Gruppe, Werner Winkelmann, in Personalunion Vorstandsvorsitzender der Euronics Deutschland eG. Mit rund 10,8 Mrd Euro Gruppenumsatz bilden die rund 6.300 Händler mit ihren 9.400 Geschäften die größte Verbundgruppe der Branche in Europa. Die größte Herausforderung der Gruppe bestehe darin, in einem hart umkämpften Markt mit einem immer rascheren Preisverfall der Gruppe fertig zu werden. Nur mit starker Markenausprägung und einem klaren Profil der Läden könne eine solche Herausforderung bestanden werden.
Dies bestätigte auch der für den irischen Markt sprechende Euronics-Partner Aidan Candon, Geschäftsführer von Electrovalue. Für seine 18 Mitglieder mit insgeesamt 27 Geschäften in Irland könne seine Gruppe nur mittels als Teil einer starken internationalen Verbundgruppe Reputation gegenüber der Industrie gewinnen.
Nach einer erkenntnisreichen, aber auch „schweißtreibenden“ Tagung hieß es bei einer abendlichen Gala im Museumsteil und den Festsälen der Guinness-Brauerei nach bemerkenswert fachkundiger Einführung in die Braukunst des Guinness-Trunks durch Claudia Gossow zu entspannen und den über die Jahre „treuesten“ UPT-Gast zu ermitteln. Dabei wurde herausgefunden, dass rückblickend auf die vergangenen Veranstaltungen in Folge in Moskau, Athen, Krakau, Montpellier, Amsterdam, Toledo, Rom, Helsinki, Lissabon und Barcelona nur einer immer dabei war: Franz Hampel, Vorstandsvorsitzender der Garant-Möbel-Holding AG, Rheda-Wiedenbrück. Somit hatte er sich eine „Trophäe“ verdient - einen nahezu lebensgroßen Stofftiger. Gratulation!
Mit einer „Landpartie“ zu einer ehemaligen Klosteranlage durch die atemberaubende Hügel- und Moorlandschaft mit einzigartigem satten Grün und schönster Heideblüte, einem andächtigen Blick auf das weltberühmte 1200 Jahre alte Book of Kells mit einer der schönsten und größten historischen Bibliotheken der Welt im Trinity College und einer abendlichen Einkehr in dem urigen Pub „Jonny Fox“ ging mit stimmungsvoller irischer Musik und einer brillianten Stepptanz-Show eine UPT zu Ende, die das „Gebrüll des keltischen Tigers“ noch lange nicht verhallen läßt.
Erst am letzten Abend wurde endlich verraten, wo die UPT im kommenden Jahr 2008 stattfindet: Istanbul ist dann das Ziel. Merke: Vom 4. — 7. September keine anderen Termine zusagen!
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