PEAK 2011: "Neues Öl" für den Mittelstand durch geniale Vernetzung
Der Mittelstand muss den Sprung in die Online-Welt schaffen, um nicht überrollt zu werden — das forderte Google-Deutschland-Chef Alastair Bruce auf der PEAK 2011. Gemäß dem Veranstaltungsmotto „Genial vernetzt“ antwortete ElectronicPartner-Chef Dr. Ehmer: Dafür brauchen die Mittelständler eine schlagkräftige Verbundgruppe. TOP-Referenten und Workshops zeigten am 10. und 11. Mai wegweisende Strategien.
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Alastair Bruce, Director Retail Google Germany, präsentierte überraschende Zahlen: 700 Millionen Menschen treffen weltweit ihre Kaufentscheidungen online, 75 Prozent der Deutschen informieren sich vor dem Kauf im Internet. Doch ist das Netz auch global, der Handel bleibt lokal: 80 Prozent der Einkäufe werden immer noch im Radius von 4 km getätigt, so Bruce. Seine Schlussfolgerung: Ein mittelständisches Handelsunternehmen kann nur erfolgreich sein, wenn es die reale und die digitale Welt miteinander verbindet: „No-Line“ sei gefragt. Jedoch: Die kleinen und mittleren Handelsunternehmen seien hier nicht auf der Höhe der Zeit. „Ich habe die Sorge, dass der Mittelstand überrollt wird!“. Investitionen in digitale Strategien seien dringend notwendig. „Love the data!“ forderte der Google-Manager die gespannten Zuhörer daher auf. Online-Daten seien „das neue Öl“ und von hohem Wert für die Handelssteuerung. Das zeigte der Google-Manager den Zuschauern exemplarisch am Google-Programm „Insights for Search“ (LINK). Hier können durch die Auswertung von Suchanfragen Nachfragetrends erkannt und in die Beschaffungsplanung integriert werden.
Verlängertes Schaufenster statt Rudis Resterampe
Es sei nicht mehr möglich, die digitalen Netze zu ignorieren, nahm Dr. Jörg Ehmer, Sprecher der Geschäftsführenden Direktoren bei ElectronicPartner, den Faden auf. Wenn sich immer mehr Kunden online informieren, müssen die Unternehmen wissen, wie online über sie gesprochen wird — und aktiv ins digitale Geschehen eingreifen. Ein digitaler Auftritt sollte jedoch auch immer zum Unternehmen passen, warnte Dr. Ehmer: „Wer offline Service und Qualität bietet, darf online nicht Rudis Resterampe sein!“ Da es für kleine und mittlere Händler oft nicht möglich ist, einen passenden und erfolgreichen Internetauftritt im Alleingang zu stemmen, kommt der Verbundgruppen hier eine Vorreiterrolle zu: „Wir müssen immer vier Schritte voraus sein, um unsere Mitglieder zu fördern!“
Mehr Verbund
„Mehr Kanäle“ hält auch Franz-Josef Hasebrink, Vorstandsvorsitzender EK/servicegroup eG, in seinem Vortrag zur EK Mehrwertstrategie 2015 für unbedingt notwendig. Hasebrink betont: „Es gibt nur einen erfolgreichen Handel — und das ist Multichannel!“. Neben „mehr Kanäle“, „mehr Branchen“ und „mehr Profit“ komme es in der EK Mehrwertstrategie vor allem aber auch auf „mehr Verbund“ an. Gemäß dem Motto des PEAK-Symposiums gehe es darum, sich „genial zu vernetzen“ — und den Mitgliedern die Vorteile intensiver Kooperation aufzuzeigen. Schließlich könne man die selbstständigen Unternehmern nicht anweisen, sondern nur durch Leistung überzeugen — wie etwa durch attraktive Systemangebote in Form von Markenstores und Shop-in-Shop-Lösungen.
Thomas Bruch: Eigenverantwortung stärken
Der Netzwerkgedanke spielt auch bei Globus eine große Rolle — wenn auch in anderer Form. So zeigte Thomas Bruch, Geschäftsführer der inhabergeführten Handelskette, auf: Das Erfolgsrezept von Globus sei es, zum einen den Mitarbeitern vor Ort große Verantwortung zu übertragen und zum anderen die Einheiten netzwerkartig zu verbinden: „Wir sind auf gewisse Art eine Verbundgruppe!“. Dafür sei es wichtig, so Bruch, die Eigenverantwortung der Mitarbeiter gezielt zu unterstützen. Hierfür organisiert Globus u.a. bereits für die Auszubildenden fünftägige Kulturwerkstätten, in denen Teamfähigkeit und Selbstvertrauen gestärkt werden.
Auf dem Weg ins Netz: Erstmal die Website optimieren
Geniale Vernetzung und digitale Strategie standen auch in den Praxis-Workshops zu Kommunikation und E-Commerce im Mittelpunkt. DATEV-Marketingleiter Claus Fesel griff die Forderung des Google-Chefs auf: „Sozial ist normal!“. COBA-Einkaufsleiter Michael Engel zeigte, wie die COBA das konkret umsetzt und mit ihrer Video-Plattform ihre Präsenz bei Lieferanten, Endkunden und Gesellschaftern deutlich verbessert (LINK zu COBA-TV ). Doch trotz der großen Bedeutung von Facebook, Youtube & Co. warnte Fesel auch: „Vergessen Sie nicht Ihre Website!“. Jochen Krisch (Exciting Commerce) nahm den Online-Handel in den Fokus und zeigte den interessierten Zuhörern, wie der typische Online-Käufers „tickt“. Stefan Bunte präsentierte schließlich einen weiteren Kommunikationskanal: Was ist der E-Postbrief der Deutschen Post — und was nützt er den Verbundgruppen?
Hintze: Kooperation zentral für den Mittelstand
Im politischen Teil der PEAK bekannte sich Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, klar zu einer mittelstands- und kooperationsfreundlichen Politik. Konkret nahm Hintze eine zentrale Forderung von MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Hollmann auf: „Die Bundesregierung sieht keinen Bedarf, IFRS auf den Mittelstand auszuweiten!“. Kleine und mittlere Unternehmen hätten bereits ein etabliertes Bilanzierungssystem und sollten nicht durch Bürokratie gestört werden. Schließlich sei der Mittelstand die Grundlage des starken deutschen Wirtschaftsaufschwungs. Insbesondere seien Kooperationen für den Mittelstand von zentraler Bedeutung. Das Wirtschaftsministerium unterstütze den Kooperationsgedanken, auch gerade in der Wettbewerbspolitik: „Daher begrüßen wir es auch, dass die Europäische Kommission Ihre kartellrechtliche Forderung zu den Vertikalleitlinien berücksichtigt hat!“ MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann und Peter Hintze war klar: Der gemeinsame Dialog wird weiter intensiviert.
Eine humorvolle Sicht auf die Politik gab im Anschluss Werner Sonne aus dem ARD-Haupstadtstudio. Dabei gab der aus dem ARD-Morgenmagazin bekannte Journalist interessante Einblicke in das — manchmal gespannte — Verhältnis zwischen Politik und Journalisten. Auch hier wurde deutlich: Intelligente Vernetzung ist elementar. Nur wer einen guten Draht zu den relevanten Politikern hat, wird auch mit den neuesten Nachrichten versorgt.
Kommunikation: Transparenz ist Trumpf
Von Seiten der Wissenschaft konnten ebenso hochkarätige Experten gewonnen werden, die spannende Ergebnisse aus der (Kooperations-) Forschung präsentierten. Prof. Dr. Theresia Theurl (Universität Münster) zeigte: „Transparenz ist Trumpf“ und wichtiger Erfolgsfaktor für Verbundgruppen. Dennoch gebe es bei vielen Verbundgruppen noch eine große Informationslücke — hier sei großer Handlungsbedarf.
Genug für alle da?
Prof. Dr. Joachim Zentes (Universität des Saarlandes) und Gerd Bovensiepen (PwC) wiesen die anwesenden Kooperationsmanager auf ein wichtiges, aber häufig noch unterschätztes Risiko hin: Der Handel muss mit verstärkten Versorgungsengpässen bei Rohstoffen rechnen. Vertikale wie horizontale Kooperationen seien hier eine wichtige Lösungsstrategie.
Für die Abrundung des Programms sorgte Creative Designer Enzo Vincenzo Prisco. Vordergründig sprach Prisco höchst amüsant über Kaffeemaschinen, Baumärkte oder Holzäxte — hintergründig vermittelte er interessante Einblicke in der Welt von Marken, Claims & Co. und führte kritisch, humorvoll aber auch tiefsinnig die häufig dramatische Abweichung von Eigensicht und Fremdsicht vor.
Die nächste PEAK findet am 8./9. Mai 2012 statt.







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