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PEAK 2012: Wirtschaftsminister und Kooperationsspitzen im Schulterschluss für den Mittelstand

Bundeswirtschaftsminister Rösler sagte den Spitzenrepräsentanten der deutschen Verbundgruppen auf dem 6. PEAK-Symposium seine Unterstützung im Kampf gegen staatliche Gängelung zu und versprach mehr Raum für kooperative Lösungen. Wie Verbundgruppen die wachsenden Herausforderungen der Energiewende, des Fachkräftemangels oder des Onlinehandels bewältigen, zeigten weitere kraftvolle Vorträge und erkenntnisreiche Workshops auf dem historischen Schlossberg Montabaur. Hier die Highlights der einzelnen Beiträge.

Montabaur, 8./9. Mai 2012. „UnseIMG_1686r Wachstum ist dem Verbundgedanken zu verdanken!“ - Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler nutze seine Rede auf dem 6. PEAK-Symposium auf Schloss Montabaur für ein klares Bekenntnis zur wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung der mittelständischen Verbundgruppen. Kooperationen stärkten die unternehmerische Eigeninitiative und überflügelten staatliche Organisation: „Sie und iL1000823hre Mitgliedsunternehmen zeigen, dass gesellschaftliche stets besser als staatliche Lösungen sind“, so Rösler vor den über 200 Teilnehmern.

Politik für den kooperierenden Mittelstand

Für den Mittelstand und seine Kooperationen sei es aktuell dringend notwendig, die Bürokratie, „die Unfreiheit dieser Zeit“, erheblich abzubauen. Hierbei setze er weiter auf die Unterstützung von MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Wilfried Hollmann. Etwa bei der Verringerung der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen habe man bereits erfolgreich „gemeinsam die Fahne des Mittelstandes hochgehalten“, hier müsse man unbedingt weiter zusammen ansetzen: „Noch ein Brief von Ihnen — und wir haben das geschafft!“, richtete sich der Wirtschaftsminister an den MITTELSTANDSVERBUND-Präsidenten. Einen ausführlichen Bericht zur Rede des Bundeswirtschaftsministers finden Sie unter dem folgenden LINK.

L1001208„Kartellrecht und Rechtsicherheit sind feindliche Brüder“ — auch wenn Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt sich dieses Zitat in seinem mit Spannung erwarteten Vortrag so recht nicht zu eigen machen wollte, so unterstrich es doch den Wunsch nach mehr Verlässlichkeit für Verbundgruppen, den MITTELSTANDSVERBUND-Präsident Hollmann zuvor in Richtung des Bundeskartellamtes geäußert hatte. Diesem Wunsch kam Mundt schließlich nur bedingt nach. Aufgrund des jeweils abzuwägenden Spannungsverhältnisses von Effizienzvorteilen auf der einen Seite und Wettbewerbsbehinderungen auf der anderen Seite bedürfe es bei der kartellrechtlichen Bewertung von Kooperationen des Aufgreifermessens des Kartellamtes, um jedem Fall gerecht zu werden. Gleichzeitig versuchte Mundt jedoch, die Führungskräfte der Kooperationen zu beruhigen. Bei Marktanteilen unter 15 Prozent liege eine (horizontale) Kooperation ohnehin in einem „sicheren Hafen“ — auch oberhalb dieser Grenze wäge die Behörde schon aus kapazitativen Gründen ab, ob eine Ermittlung eingeleitet werde: „Wir greifen nur Fälle auf, die von öffentlichem Interessen sind.“ Einen ausführlichen Bericht zur Rede finden Sie unter dem folgenden LINK.

Online-Handel im Fokus

IMG_1630„Wir wollen weiter wachsen — das geht nur über neue Kanäle!“ Dr. Daniel Terberger, Vorstandsvorsitzender der KATAG AG, zeigte, dass der digitale Handel nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine wichtige Chance für die Verbundgruppen sein kann. So hat die Bielefelder Kooperation, der 373 Handelsunternehmen mit über 1.500 Standorten angehören, jüngst erfolgreich ihren eigenen Online-Shop gestartet. Die Handelspartner werden dabei eng eingebunden: Neben der wirtschaftlichen Beteiligung erhalten die Partner ausführliche Auswertungen und Informationen über das Verhalten der Online-Kunden. Doch auch in Zeiten des digitalen Vertriebs gelte für das Familienunternehmen aus Bielefeld: „Qualität und Service sind immer noch unser wichtigsten Erfolgsfaktoren“.

IMG_1724„Multi-Channel ist das Erfolgsmodell im Handel!“ — einen weiteren Beleg für diese These bot Carel Halff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Weltbild, für die Branche des Buchhandels. So kauften laut aktuellen Untersuchungen etwa 60 Prozent der Verbraucher, die sich mobil informieren, schließlich im Ladengeschäft. Bei der Verbindung der digitalen mit der analogen Welt sei Weltbild Vorreiter: „Vom klassischen Buchhändler unterscheiden wir uns durch unseren schlagkräftigen Online-Shop — von Amazon durch unseren starken stationären Handel.“ Auch die Nutzung von QR-Codes lohne sich häufig: „Unsere neuen QR-Codes sind insbesondere dort erfolgreich, wo andere Menschen warten und Zeit haben — und direkt in der Nähe unserer Konkurrenz!“, so Halff mit einem Schmunzeln.

Ist es für den mittelständischen HandWorkshopel überhaupt möglich, ohne Onlineshop zu überleben? Dieser Frage widmete sich Workshop 1, dem ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Jörg Funder, IIHD Hochschulte Worms, voranging. In intensiven Diskussionen in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen kristallisierte sich heraus: Ja, der Handel kann heute auch ohne Online-Shops überleben - aber möglicherweise nutzt er seine Chancen nicht, neue Kunden anzusprechen. Die Teilnehmer fragten sich jedoch, ob das Rad des E-Commerce für so manch eine Kooperation nicht zu groß ist und ob die zunächst mageren Gewinnerwartungen aus den Onlineshops solche Aktivitäten überhaupt rechtfertigten. In jedem Fall waren sich viele einigt darin, dass eine einfache Kopie bestehender erfolgreicher Shops keine Chance hat, sondern die lokale Markenbotschaft des Händlers mit ins Netz genommen werden sollten.

Marketing in Verbundgruppen

IMG_1738Auf welche Weise profitieren kooperierenden Handelsunternehmen von einer starken, bundesweit bekannten Einzelhandelsmarke? Eine sehr anschauliche Antwort auf diese Frage gab der VEDES-Vorstandsvorsitzende Dr. Thomas Märtz, der die aktuelle VEDES-Marktoffensive 2012 vorstellt. So gibt die Nürnberger Kooperation ihrer Marke vedes mit dem Claim „vedes. Kommt in den besten Familien vor“ und einem umfassenden Marketing-Konzept ein emotionales, vertrauenswürdiges Gesicht. Mit einer Marke Vertrauen, Sicherheit und Orientierung zu schaffen, sei aktuell von besonderer Wichtigkeit für den Handel: „Wir erleben aktuellen einen Bewusstseinswandel bei dem Konsumenten: Verantwortungsbewusstsein für Qualität und Sicherheit steht im Mittelpunkt — das vermitteln wir mit unserer Marke vedes“.

Personalentwicklungsstrategien für Verbundgruppen

„Die Ressource Mensch: Personalpolitik strategisch angeHerr Kehlhen“ — unter diesem Leitsatz diskutierten die zahlreichen Teilnehmer in Workshop 2 drängende Fragen der Personalentwicklung in Verbundgruppen. Workshop-Moderator Axel Kehl, Vorstandsvorsitzender der ADG, fasste eines der Ergebnisse der Arbeitsgruppen zusammen: Personalentwicklung ist strategische Führungsaufgabe. Um das auch bei den Mitgliedsunternehmen zu verankern, reiche es jedoch nicht, erfolgreiche Konzepte aus der Zentrale unverändert auf die Mitglieder zu übertragen. Vielmehr müsse die Zentrale eine langfristig orientierte Personalpolitik vorleben, über die Notwendigkeit strategischer Personalentwicklung informieren und schließlich adäquate Konzepte bieten. Die Akademie der Verbundgruppen ADV biete den Kooperationszentralen bei diesen Zukunftsaufgaben wichtige Hilfestellungen.

L1001196Wie wichtig das gemeinsame Engagement der Kooperationen in der ADV ist, zeigte auch Wilfried Hollmann, Präsident des MITTELSTANDSVERBUNDES, in seinem Vortrag auf: „Wie unserer jüngsten Erhebungen zeigen, kann in den Verbundgruppen jede dritte Stelle nicht mehr qualifiziert besetzt werden — das ist mehr als ein Alarmsignal!“ Nun beherzt die Chance zur Qualifizierung des eigenen Personals zu ergreifen, sei daher oberstes Gebot der Stunde. Somit sei die Wahl des Veranstaltungsortes auch nicht zufällig auf Schloss Montabaur, den Sitz der ADV, gefallen: „An keinem anderen Platz wird der Wissensschatz erfolgreichen kooperativen Handels so erfolgreich vermittelt und gemehrt“, so der Präsident.

Kooperation im Internationalen Jahr der Genossenschaften

„TrIMG_1751endsetter mit Tradition: Das Phänomen Genossenschaft“ - Unter diesem Titel legte Werner Böhnke, Vorstandsvorsitzender der WGZ Bank, dar, weshalb der Genossenschaftsgedanke heute aktueller denn je sei: „Ich beobachte heute eine tiefsitzende Sehnsucht bei den Menschen nach dem begreifbaren — im doppelten Wortsinn“. Genossenschaften seien fest bei den Menschen und in ihren Regionen verwurzelt, sie hätten den Bezug zu ihren Mitgliedern, die gleichzeitig ihre Kunden sind, nicht verloren. So hätten die genossenschaftlichen Bankinstitute in der Wirtschaftskrise ihr Kreditvolumen gesteigert — während andere Banken erheblich restriktiver wurden. Mit Bezug auf die Umsetzung von Basel III warnte Böhnke eindringlich: „Die Regulierungsmaschinerie rollt ein Netz aus, in dem wir zu ersticken drohen. Das Übermaß an Regulierung berührt die Eigentumsinteressen von 17 Millionen Genossenschaftsmitgliedern!“.

Energieeffizienz im Mittelstand

„Wer sicDr. Veltmann2h heute nicht rüstet und einen effizienteren Energieeinsatz erreicht, wird spürbar im Wettbewerb zurückfallen!“ - auf welche Weise das Projekt „Mittelstand für Energieeffizienz“ die Verbundgruppen und ihre Mitglieder auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz berät und unterstützt, schilderte Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND und rief die Kooperationen zur Beteiligung am Projekt auf. So können die 230.000 mittelständischen Handels- und Handwerksunternehmen im MITTELSTANDSVERBUND durch geförderte Energieberatungen wertvolle Erkenntnisse über ihren energetischen Ist-Zustand erhalten. Mit Hilfe praktischer Handlungsempfehlungen können die Unternehmen dauerhaft Energie und Kosten sparen — und gleichzeitig die CO2-Emmissionen mindern.

L1001278Wir freuen uns sehr, dass ein so großer Verbund wie Sie sich hier engagiert — denn gemeinsam sind wir stärker!“ — richtete sich im Anschluss Petra Borisch, Leiterin Vertrieb der KfW Bankengruppe, an die Mitgliedsunternehmen im MITTELSTANDSVERBUND und schilderte die Sicht der fördernden KfW. Gemeinsam gehe es darum, den kooperierenden Mittelständler erhebliche Kostenvorteile zu ermöglichen — und gleichzeitig das Klimaziel der Bundesregierung zu erreichen, bis 2020 die Energieeffizienz gegenüber 2012 um 20 Prozent zu steigern. Hierzu stehen den Unternehmen neben der kostenlosen Potenzialanalyse (1. Stufe) eine zu 80 Prozent geförderte Initialberatung (2. Stufe) sowie eine ebenfalls erheblich geförderte Detailberatung (3. Stufe) zur Verfügung: „Es gibt praktisch keinen Grund, so eine Beratung nicht zu machen!“, so Frau Borisch. Und auch bei der konkreten Umsetzung der Maßnahmen stärken KfW und MITTELSTANDSVERBUND den Unternehmen den Rücken. Weitere Informationen zum Projekt „Mittelstand für Energieeffizienz“ finden Sie unter dem folgenden LINK.

„Unternehmen sind nicht nL1001280ur dazu da, Gewinne zu machen, sondern auch, um Verantwortung zu übernehmen!“ — dass die REWE Dortmund Großhandels eG diesen Leitsatz mit großem Einsatz verfolgt, zeigte im Anschluss ihr Vorstandssprecher Heinz-Bert Zander. Die genossenschaftliche Organisation der REWE gebe ihr hierfür auch den notwendigen langen Atem: „Wir als Genossenschaft können langfristig denken — damit haben wir einen riesigen Vorteil!“. Ein beeindruckendes Leuchtturmprojekt der REWE Dortmund ist der erste grüne Supermarkt in Iserlohn, der im Februar 2012 seine Türen öffnete. Die im so genannten „Green Building“ verbauten Materialien sind alle recyclebar und umweltschonend hergestellt, durch die Leitungen fließt Grünstrom und auf dem Dach des Gebäudes befindet sich eine große Photovoltaikanlage. Geheizt wird mit der Wärme, die beim Betreiben der Kühlanlagen entsteht. Durch große Fenster kann tagsüber größtenteils auf den Einsatz von künstlichem Licht verzichtet werden. „Nachhaltigkeit ist für uns mehr als ein Marketing-Gag“, so Zander. Die REWE Dortmund wurde bereits 2011 für ihr Projekt der fairen Milch mit dem Kreativpreis ausgezeichnet.

Das nächste PEAK-Symposium findet am 7. und 8. Mai 2013 in Berlin statt.

www.zgv-online.de/Veranstaltungen/PEAK/PEAK-2012/PEAK-2012-Wirtschaftsminister-und-Kooperationsspitzen-im-Schulterschluss-fuer-den-Mittelstand-E7164.htm