Klimaprofis on Tour: Große Roadshow bei Pionier-Projekten für Klimaschutz und Nachhaltigkeit

15 Klimaprofis waren drei Tage auf Studientour gemeinsam unterwegs: Das erste große Vernetzungstreffen der aktiven Klimaprofis des MITTELSTANDSVERBUNDES stand ganz im Zeichen von Wissenstransfer, fachlicher Studien und branchenübergreifendem Austausch.

16.09.2021 – Nach monatelanger Kommunikation per Videokonferenz – auch das Qualifizierungsprogramm „Klimaprofi“ musste pandemiebedingt als Online-Schulung stattfinden – war die Zeit reif für ein Treffen „on Location“. Und „Location“ kann in diesem Fall auch mal ein ehemaliger Müllberg sein. Gleich drei Tage lang wurde nachgeholt, was längst überfällig war, der Bedarf nach Erfahrungsaustausch war riesig. Denn so unterschiedlich die Anforderungen in den einzelnen Branchen auch sein mögen – das gemeinsame Thema schweißt zusammen. Die Klimaprofis erwartete ein prall gefülltes Programm, mit dem Ziel, sie für ihre Beratungen auf dem neuesten Stand der aktuellen Entwicklungen zu halten.

Die erste Station führte zum Kompetenznetzwerk :metabolon bei Köln. Was einst als Mülldeponie im Bergischen Land begann, ist heute einer der modernsten Entsorgungsstandorte Europas mit Forschungshallen und Ausstellungsräumen. Hier dreht sich alles um Kreislaufwirtschaft und zirkuläre Wertschöpfung. Während die Klimaprofis über 360 Stufen den Gipfel des ehemaligen Müllberges erklimmen, Mountainbiker den Trailpark nutzen und Ausflügler die Aussicht genießen, forschen Doktoranden und Doktorandinnen in den Hallen zu den Themen „Cradle-to-Cradle“ („Von der Wiege bis zur Wiege“, gelebte Kreislaufwirtschaft) und Abwasser­aufbereitung.

Kreislaufwirtschaft statt „Förderbandwirtschaft“

Wie die Klimaprofis im Vortrag bei :metabolon erfahren, geht es um den Abschied von der „Förderbandwirtschaft“ – am Anfang des Förderbandes steht der Rohstoff, an seinem Ende der Müll. Stattdessen lautet das Ziel „Stoffkreisläufe zu schließen“ – und zwar weit über das (zumeist privatwirtschaftlich organisierte) Kunststoffrecycling hinaus. Nach der Stoffumwandlung entstehen Produkte wie Biogas und Biokohle sowie Chemierohstoffe und eine Vielzahl von metallischen Wertstoffen. Um der Kreislaufwirtschaft Vorschub zu geben, bringt :metabolon Akteure aus Forschung, Industrie, Politik und Gesellschaft an einen gemeinsamen Tisch. Weiteres Projekt: Auf dem Gelände in Lindlar entsteht ein nachhaltiges Gewerbegebiet, ein „Zero Emission Industrial Parc“, bei dem der ländliche Charakter der Region erhalten bleiben soll.

Am Tag zwei stehen für die Klimaprofis gleich zwei Stationen auf dem Programm. Vormittags geht es zu einem Entwickler für innovative Solarmodule. In der Vorstellungsrunde zeigen sich die Mitarbeiter von paXos beeindruckt über die Branchenvielfalt der Klimaprofis und ihrer namhaften Verbundgruppen, wenig später sind die Klimaprofis beeindruckt, dass ein Solardach nicht nur Strom und Wärme produziert, sondern dabei auch noch gut aussehen kann. Die Solardachpfanne eignet sich somit auch für den Denkmalschutz und die Stadtbildpflege. Sie geht 2022 in Serie, der terrakottafarbene „Solar-Biberschwanz“ hingegen hat noch Entwicklungsschritte vor sich. Die Ingenieure geben Einblicke vom langen Weg von der Idee bis zur Marktreife. Solarfassadenelemente, Solarwasserelemente mit Schwimmkörpern, Solar-Agrar-Elemente ohne aufwändiges Betonfundament zur Vermeidung der Versiegelung des Bodens, ferner ein Hochleistungsladesystem für Elektrofahrzeuge mit über fünf Megawatt Ladeleistung – die Klimaprofis bekommen einen lebhaften Eindruck, dass es an Weiterentwicklungen im Bereich Solar nicht mangelt.

Entwicklungen werden von engagierten und begeisterungsfähigen Menschen vorangetrieben. Das erleben die Klimaprofis auch am Nachmittag von Tag zwei. Bei der Führung durch das Energie-Kompetenz-Zentrum Rhein-Erft-Kreis gibt es eine geballte Ladung Wissen zu den Themen Energieeffizienz, Wärmegewinnung und den Einsatz unterschiedlichster Baustoffe für die Gebäudehülle. Dieser außerschulische Lernort richtet sich, ganz im Sinne des lebenslangen Lernens, an alle Altersstufen, und zwar unabhängig von den Vorkenntnissen, an Schüler und Senioren, an Verwaltungsangestellte, Fachleute und die Handwerkerschaft. Die Führungen durch die technischen Ausstellungsräume werden dem Wissensstand der Zuhörerschaft angepasst.

Nur 11 Prozent aller geeigneten Dachflächen werden für Photovoltaik genutzt

Während des Rundgangs wird deutlich: Der erste Schritt zur energieeffizienten Wärmegewinnung ist die Vermeidung von Unsinn. Wieso wird bei einer „normalen“ Gastherme 400 Grad heiße Luft zum Kamin rausgeblasen, anstatt, wie bei einer Gasbrennwerttherme, diese Wärme zu nutzen? Warum braucht es bei einer Gasheizung eine 1200 Grad heiße Gasflamme, um Wasser auf 80 Grad zu erhitzen, für eine Raumtemperatur von nur 21 Grad? Eine kühlschrankgroße Wärmepumpe hingegen kann ein Wohnhaus mittels Umgebungsluft heizen, auch wenn diese „kalt“ ist – nach dem Prinzip des „umgedrehten Kühlschranks“. Und manchmal ist der Unterschied auch nur handtellergroß: Tauscht man an der Heizungsanlage die kleine Umwälzpumpe aus, von asynchron auf synchron (den Unterschied sieht der Laie am Drehschalter bzw. Digitalanzeige), kann 80 Prozent der Energie eingespart werden. Eindrücklich wird den Klimaprofis vor Augen geführt: Beim Thema Energieeffizienz mangelt es nicht an Wissen, sondern an Fachkräften. Deshalb wird an diesem Lernort viel darin investiert, junge Leute für die entsprechenden Berufe zu begeistern. Denn auch die „lebenslang lernenden“ Klimaprofis wissen: Nicht jeder wird im Büro glücklich. Quintessenz von Tag zwei: Die Technologien sind vorhanden, jetzt geht es an die Umsetzung!

Klimaprofi-Roadshow, Tag drei: Zu Gast bei Fairtrade Deutschland in Köln. Die Klimaprofis kommen der Einladung zur Fragerunde engagiert nach. Zertifizierung, Lieferkettenstandards, Transparenz: Die lebhafte Diskussion macht deutlich, dass es viele thematische Parallelen zum Projekt Klimaverbund gibt. Denn auch das Klimaverbund-Siegel, das die Unternehmen nach erfolgreicher Umsetzung von vorgegebenen Kriterien erhalten, steckt mitten im Entwicklungsprozess.

Was das Fairtrade-Siegel von ähnlichen Siegeln unterscheidet: Die Produzenten – Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im globalen Süden – sind in Produzentennetzwerken organisiert und erhalten 50 Prozent Mitspracherecht bei allen wichtigen Entscheidungen. Dieser Netzwerkgedanke ist dem Klimaverbund natürlich wohlbekannt: Hier engagieren sich mittelständische Verbundgruppen gemeinsam für den Klimaschutz.

Drei Tage Klimaprofi-Road-Show: Das waren drei Tage branchenübergreifender Austausch, inspirierende Eindrücke und aktives Netzwerken. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Gastgebern! 

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