Mittelstandstracker: Eigenkapitalausstattung im kooperierenden Mittelstand nimmt im Lockdown dramatisch ab

Die Ergebnisse der vierten Befragungswelle des Mittelstandstrackers zeigen eine deutliche Verschlechterung der finanziellen Lage bei den kooperierenden Mittelständlern. Der andauernde Lockdown sorgt insbesondere im geschlossenen Handel für ein dramatisches Abschmilzen des Eigenkapitals. Der finanzielle Spielraum für neue Bestellungen und überfällige Investitionen wird dadurch immer kleiner.

Berlin, 25.02.2021 – Seit Oktober 2020 befragt DER MITTELSTANDSVERBUND in Zusammenarbeit mit dem IFH Köln im Rahmen des Mittelstandstrackers regelmäßig die Anschlusshäuser der Verbundgruppen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und den zukünftigen Erwartungen. Mit den Ergebnissen der vierten Befragungswelle lässt sich nun belastbar die zeitliche Entwicklung ablesen – und damit die Auswirkungen der seit vergangenem Dezember wieder massiven Corona-Beschränkungen auf den Geschäftsbetrieb. Die Antworten der befragten Unternehmen zeigen einen klaren negativen Trend und unterstreichen damit die oftmals prekäre wirtschaftliche Lage vor allem im stationären Einzelhandel.

Die wirtschaftliche Lage hat sich nach Einschätzung der Befragten im Februar
2021 im Vergleich zum Vormonat noch einmal verschlechtert und liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit Erhebungsbeginn. Ganze 89 % der Befragten vermelden hier eine Verschlechterung. Zwar fällt die Erwartung der zukünftigen Lage insgesamt etwas optimistischer aus. Diese bezieht sich jedoch auf einen zeitlichen Horizont von 12 Monaten. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erst in mehreren Monaten könnte hingegen für viele Unternehmen zu spät kommen.

Dies deckt sich mit der negativen Entwicklung bei der Eigenkapitalausstattung der Unternehmen: 66 % der Befragten geben an, dass sich ihre Eigenkapitalausstattung in den letzten Wochen verschlechtert hat. Auch dies stellt den schlechtesten Wert seit Oktober 2020 dar. Zwar wird die Höhe des Eigenkapitals nicht in absoluten Zahlen im Mittelstandstracker abgefragt. Aber auch die relative Entwicklung belegt einen klaren Trend nach unten. Untermauert wird dieser Trend dadurch, dass 68 % der Unternehmen angeben, dass die durchschnittliche Bestell-/Rechnungshöhe in den letzten Wochen stark gesunken sei. Dabei werden hier nicht nur Bestellungen und Rechnungen im geschlossenen stationären Handel berücksichtigt, sondern die befragten Unternehmen stammen auch aus anderen Branchen.

Fatal wirkt sich die zunehmend schwierigere wirtschaftliche Lage der Unternehmen aber auch auf ihre zukünftige Geschäftsentwicklung aus. Abgesehen davon, dass in vielen Fällen zunehmend das Kapital für die Bestellung neuer Ware fehlt, verändern sich auch die Prioritäten bei den Investitionen. So gaben im Februar nur 15 % der Unternehmen an, dass sie zukünftig stärker in Nachhaltigkeitsmaßnahmen investieren wollten – auch dies der niedrigste Wert seit Erhebungsbeginn. Wenn die sich verschärfende Coronakrise somit dafür sorgt, dass zukunftsorientierte und sehr sinnvolle Investitionen aufgrund von Kapitalmangel unterbleiben, dann ist dies eine äußerst problematische Entwicklung. Die Ergebnisse des Mittelstandstrackers zeigen daher ganz deutlich, dass die vom Lockdown betroffenen Unternehmen weiterhin dringend finanzielle Unterstützung und darüber hinaus eine realistische Perspektive zur zeitnahen Öffnung benötigen.

Beim Mittelstandstracker handelt es sich um eine regelmäßige Online-Befragung unter den Anschlusshäusern der Verbundgruppen, die im Auftrag des MITTELSTANDSVERBUNDES durch das IFH Köln durchgeführt wird. Die in Form einer Panelerhebung durchgeführte Umfrage soll nicht nur Erkenntnisse über den wirtschaftlichen Status Quo der kooperierenden Unternehmen liefern, sondern auch Einstellungen und Veränderungen zu aktuellen Themen beleuchten. Die Kontinuität der Befragung über regelmäßige Wellen in einem Zeitraum von acht bis zwölf Monaten soll diese Veränderungen sichtbar machen. Die Umfrage ist von den Anschlusshäusern leicht aufzurufen und kann schnell in wenigen Minuten ausgefüllt werden.

Sollten Sie ebenfalls Interesse an einer Teilnahme am Mittelstandstracker haben, können Sie uns gerne kontaktieren.

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