„Alles retour!?“ – Workshop für den Handel und Umwelt

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat am 3. September zu der Veranstaltung „Alles retour!? Retouren und Überhänge vermeiden – Win-win für den Handel und Umwelt“ in den Eichensaal in Berlin geladen. Vertreter von Unternehmen, Verbänden und der öffentlichen Hand kamen zusammen, um über Ansätze und Strategien zur Vermeidung von Retouren und Überhängen zu diskutieren. In diese Diskussion bringt sich DER MITTELSTANDSVERBUND aktiv mit ein und trägt dazu bei, praxistaugliche Ansätze im Umgang mit Ressourcen zu entwickeln.

Berlin, 12.09.2019 - Wichtige Änderungen zur Steigerung der Ressourcen-Effizienz stehen derzeit an: Noch während der Sommerpause präsentierte die Bundesregierung die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Neue Quoten, mehr Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung, neue Obhutspflichten für Hersteller und Vertreiber – die Ansätze werden Auswirkungen auf alle Stufen der Wertschöpfungskette entfalten. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz wird daher ein zentrales Thema beim Initiativkreis Plastik am 22. Oktober 2019 in den Räumlichkeiten des MITTELSTANDSVERBUNDES in Berlin sein. Bereits zum dritten Mal wird ein Expertengremium zusammenfinden, um die beschriebenen Themenfelder näher zu beleuchten und in einen lösungsorientierten Austausch zu gehen. Es gilt dabei, die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und dem Gesetzgeber tragfähige Ansätze vorzuschlagen. Darüber hinaus soll der Blick jedoch auch auf mögliche Regelungslücken beziehungsweise Verbesserungen des bestehenden Rechtsrahmens und bestehender Praktiken ausgerichtet werden.

„Alles retour!?“ – Workshop für den Handel und UmweltDas Thema treibt den MITTELSTANDSVERBUND um, hat eine hohe Priorität und wird mit Maß und Ziel im Sinne der kleinen und mittleren Unternehmen angegangen. „Wir müssen neue Wege gehen und Prozesse neu denken. Teilweise werden nicht sachgerechte Retouren durch Überregulierung selbst verursacht. Hier erwarten wir ein starkes Signal der Politik, die hiermit aufgerufen ist, beispielsweise Übergangsfristen bei Neuetikettierung von Energielabels in Zukunft zeitlich so zu gestalten, dass diese für Unternehmen zu schaffen und machbar sind und Waren nicht aus diesem Grund vernichtet werden müssen. Aufwand und Nutzen sind nur akzeptabel, wenn sie in einem passenden Verhältnis stehen“, so Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des MITTELSTANDSVERBUNDES.

Auf der BMWi-Veranstaltung hatte zuerst die Staatssekretärin, Claudia Dörr-Voß, das Wort ergriffen. In ihrem einleitenden Grußwort wies sie eindringlich darauf hin, dass eine valide Datengrundlage beim Thema Retouren nur in Teilbereichen vorhanden sei. Jede 6. Bestellung Stand heute werde retourniert. Eine durch das BMWi in Auftrag gegebene gutachterliche Untersuchung stelle bei der Einordnung der Zahlen und Fakten eine gute Datenbasis dar, auf die sich viele Akteure aktuell in ihrer Argumentation auch berufen würden. Auch DER MITTELSTANDSVERBUND fordert, bei den Themen Verwendung und Verschwendung von Ressourcen die Möglichkeiten des Mittelstandes im Auge zu behalten. Wenn es nach dem Bundeswirtschaftsministerium ginge, dann brauchen wir die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI), gerade um die Prognose des Kaufverhaltens besser einschätzen und zielgenauer ein Retourenverhalten absehen zu können.

Auftaktvortrag von Herrn Dr. Georg Wittmann, ibi research

„Mythen, Zahlen, Fakten“, so lautete der Vortrag von Dr. Georg Wittmann, ibi research. In diesem stellte Wittmann die Bedeutung des stationären Handels heraus. Nur 33 Prozent der Händler betreiben demnach einen Online-Shop, aber 37 Prozent der stationären Händler planen in den nächsten fünf Jahren online zu gehen. Dabei sei der aussichtsreichste Kandidat der Lebensmitteleinzelhandel, der große Ambitionen zeige, ins Onlinegeschäft einzusteigen. Zu Bedenken gelte es, dass der Konsument die Retourenmöglichkeit fordere. Tatsächlich – so Wittmann – kalkuliert jeder fünfte Verbraucher eine Retoure bereits beim Bestellvorgang mit ein und 70 Prozent der retournierten Ware sei noch original verpackt (Quelle: EHI-Studie, 2019). Hebel, um Lösungen anbieten zu können: Strengere Produktionsüberwachung, Prävention bei Fake-Produkten, Fälschungen aus dem Verkehr ziehen, Marken nicht von der Zweitverwertung ausschließen sowie Anpassung der steuerlichen Rahmenbedingungen für Waren-Spenden. Herauskristallisiert hat sich dabei die Erkenntnis, dass Überhänge (Saisonware, Aktionsware, etc.) ein größeres Problem als die reine Betrachtung der Retourenquote darstellen.

Pitches von Unternehmen zu Konzepten und Best Practices zur Vermeidung von Retouren und Überhängen

Amazon, Zalando SE, dresslife und innatura ergänzten das Format mit Erfahrungsberichten aus den einzelnen Unternehmen und deren Umgang mit KI beim Thema Retouren. Fazit der Beteiligten: „Fast Fashion“ und Drang zur Individualität darf vom Verbraucher gewünscht werden, ratsam ist es für die Unternehmen, diesem Trend mit der richtigen Strategie zu begegnen.

Die Workshops im Anschluss nach dem Vorbild und Prinzip "World Café" zur Findung kreativer und nachhaltiger Lösungen unterteilte das Teilnehmerfeld in drei Gruppen. Diese Kleingruppen konnten sich nacheinander an folgenden Themenfeldern abarbeiten und einen konstruktiven Diskurs miteinander führen:

  • Vermeidung/Reduzierung von Überhängen,
  • Vermeidung/ Reduzierung von Retouren und
  • Bessere Verwertung von Retouren und Überhängen

Abschließend lässt sich feststellen, dass der Wunsch nach substanziellen Lösungsvorschlägen bestehen bleibt. DER MITTELSTANDSVERBUND wird beim 3. Initiativkreis Plastik den Faden aufgreifen und weitere Schritte gehen, mit dem Ziel, Lösungen für und vor allem mit den beteiligten Akteuren entlang der Wertschöpfungskette zu erarbeiten.

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