Deutscher Handelskongress: Handel auf dem Weg zur Technologiebranche - Mittelstand droht abgehängt zu werden

Immer weiterreichende digitale Lösungen in der Warendistribution verschwimmen zunehmend die Branchengrenzen. Wer nicht in digitale Lösungen investiert, verliert. Aber der Kunde sucht auch Emotionen und sozialen Kontakten im Handel. Der Deutsche Handelskongress bot tiefe Einblicke.

Berlin 14./15.11.2018 – Durch den Deutschen Handelskongress zog sich in diesem Jahr eine Botschaft wie ein roter Faden: Es klafft eine Schere immer weiter auseinander. Einerseits können die Unternehmen von Erfolgen berichten, die technologisch mit digitalen Plattformen, professioneller Onlinekommunikation und vielfältigen digitalen Dienstleistungen mit oft immensen Investitionen aufgerüstet und sich mit ihren Kunden und Geschäftspartnern intelligent vernetzt haben.

Josef Sanktjohanser bleibt Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Die Delegierten haben ihn erneut im Amt bestätigt.Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die aus Mangel an Finanzkraft, Know How oder Mut vorwiegend an klassischen Formaten festhalten. Dennoch ist Technologie längst nicht alles. Selbst ein Discounter wie Aldi als einer unter den Gewinnern des Deutschen Handelspreises hat dies längst erkannt und seine Läden aus dem einst spartanischen Format herausgeführt. Wenn man auch weiterhin auf „Schnickschnack“ verzichten wolle, so die Preisträger, so respektiere man mit hellerer und freundlicherer Gestaltung der Läden und einer Erweiterung der Sortimente von einst 800 auf mittlerweile mehr als 1.600 Artikeln die steigenden Erwartungen der Kunden.

Dass Menschen durch Technologie nicht aus dem Handel wegrationalisiert werden, wenngleich immer mehr Einzelaufgaben durch digitale Technologien ersetzt werden können, wurde den über 1000 Teilnehmern auch verdeutlicht. Die Künstliche Intelligenz etwa sei in diesem Sinne Diener des Handels, keineswegs jedoch könne sie Emotionalität und die menschliche Interaktion auf der Fläche ersetzen, ohne die lokaler Handel keine Zukunft habe, so war es von den hochkarätigen Experten von der Bühne zu vernehmen.

Auch das gesamtpolitische Umfeld wurde eingehend beleuchtet. Der auf der parallel zum Kongress stattfindenden Delegiertenversammlung des HDE einstimmig für vier Jahre wiedergewählte Präsident Josef Sanktjohanser - DER MITTELSTANDSVERBUND gratuliert herzlich - merkte an, dass bei einem schwächelnden Außenhandel der Konsum in Deutschland mittlerweile die maßgebliche Stütze der Konjunktur sei. Doch die Politik beschäftige sich aktuell nicht nur zu viel mit sich selbst, sondern sie gefährde mit unüberlegten und teils unerhörten Initiativen die Rahmenbedingungen für die Unternehmen. Völlig daneben sei der Angriff auf Mittelstand und Vertragsfreiheit durch die aktuelle Beschlusslage des EU-Parlaments, Einkaufskooperationen im Handel zu verbieten und rund 50 weitere vertragliche Optionen für Händler zu untersagen.

DER MITTELSTANDSVERBUND hat sich in dieser Angelegenheit in den zurück liegenden Wochen bereits vielfältig und sehr deutlich gegenüber Politik und Öffentlichkeit positioniert.

Nun müsse mit Nachdruck auf den Trilog eingewirkt werden, um Schlimmeres zu verhindern, so Sanktjohanser. Weiterhin ging der HDE-Präsident mit der von der Bundesregierung jüngst beschlossenen Brückenteilzeit kritisch ins Gericht.

Auch forderte er eine Reform der Gewerbesteuer und eine faire Verteilung der Energiewendekosten ein, weil sonst der harte Wettbewerb mit den Onlineriesen, die mit einer ungeheuren Kapital- und Marktmacht, teils unter Umgehung hiesiger Standards und Steuergesetze, den Markt aufmischten und den Mittelstand in Bedrängnis bringen.

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