Richtung stimmt, Maßnahmen unzureichend: Gründungsoffensive der Bundesregierung für lebendiges Unternehmertum

Noch vor dem Jahreswechsel gab Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Startschuss für die neue Gründungsoffensive des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Mit der Unterstützung aus den Ländern und Kommunen will das Ministerium ein Zeichen für ein lebendiges Unternehmertum in Deutschland setzen. Auch die Unternehmensnachfolge steht dabei im Fokus, allerdings sind die politischen Ansätze unzureichend.

Berlin, den 16.01.2019 – Menschen, die bereit sind, Arbeit für sich und andere zu schaffen, leisten einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Allgemeinwohl.

Bundeskanzleramt, BerlinDas soll mit der Gründungsoffensive (GO!) deutlicher honoriert werden. In insgesamt zehn Handlungsfeldern bündelt die Initiative Maßnahmen, die das Gründungsklima verbessern und die Erfolgschancen für Jung- oder Neuunternehmer erhöhen sollen. Schwerpunktthemen der breit angelegten Gründungsoffensive sind:

  • Unternehmensnachfolge erleichtern
  • Start-ups und Mittelstand enger vernetzen
  • Finanzierungsinstrumente leichter zugänglich machen
  • Personen, die bereits schon einmal selbständig waren, Mut für eine zweite Chance machen
  • mehr Frauen für die unternehmerische Selbstständigkeit gewinnen
  • Menschen mit Migrationshintergrund bessere Voraussetzungen für eine selbständige Existenz bieten.

Das Ziel sind mehr Unternehmensgründungen und vor allem mehr Unternehmensnachfolgen in allen Wirtschaftsbereichen: Vom Handwerk über die gewerbliche Wirtschaft, Dienstleistung, die freien Berufe bis hin zu Technologie-Start-ups.

Unternehmensnachfolgen erleichtern

Gründer, die eigene unternehmerische Ideen umsetzen und von Beginn an Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen wollen, sollten die Möglichkeit in Betracht ziehen, eine bestehende Firma zu übernehmen. Heute schon werden für viele Betriebe händeringend Nachfolger gesucht werden gesucht – durch den demografischen Wandel wird sich diese Situation zukünftig in einigen Regionen und Branchen verschärfen. Insbesondere im Bereich der Unternehmensnachfolge im Mittelstand will das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) darauf hinwirken, dass Unternehmen den Generationswechsel strategisch gründlich und rechtzeitig vorbereiten. Das Ministerium will selbst Unterstützung bieten, um Übergeber und potentiellen Nachwuchs noch besser zu sensibilisieren und zusammenzuführen.

Geplant sind folgende konkrete Aktivitäten:

  • Unternehmensnachfolgebörse ausbauen: Optimierung der kostenlosen Unternehmensnachfolgebörse www.nexxt-change.org, über die jetzt schon jährlich ca. 1.000 erfolgreiche Unternehmensübergaben vermitteln werden.
  • ICON – innovativer Content für die Unternehmensnachfolge: Mit diesem Projekt sollen Zielgruppen angesprochen werden, die bisher als potentielle Nachfolger weniger in Erscheinung treten: junge Gründer, Frauen und Migranten.
  • Unternehmertum in der schulischen Bildung und Berufsberatung verankern: Bundesweit werden Projekte zur Kooperation von Schule und Wirtschaft gestärkt. Aus der intensiven Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Schulen und einer Vielzahl von Initiativen und Projekten erfahren Schülerinnen und Schüler mehr über Start-ups und unternehmerische Perspektiven unmittelbar aus der Praxis.
  • Regionalkonferenzen: Im Jahr 2019 sieht die Agenda vier Regionalkonferenzen vor, die den Gründern, Übernahmeinteressierten und aktiven Unternehmern einen direkten Austausch mit Bundesminister Altmaier ermöglichen. Die Konferenzen sollen Impulse geben, den Gründer- und Unternehmergeist in Deutschland stärken und Menschen ermutigen, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen.
  • Aktionstag „Unternehmensnachfolge“: Ein bundesweiter Aktionstag „Unternehmensnachfolge“ – voraussichtlich im Juni 2019 - soll das Thema in der Öffentlichkeit und in der Wirtschaft verankern und gemeinsame Wettbewerbe und Veranstaltungen ermöglichen.

Rahmenbedingungen gestalten

Mit entsprechenden Mitteln ausgestattet sind die öffentlichen Förderprogramme der neuen Gründungsoffensive, die ein gutes Finanzierungsumfeld als eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreiche Unternehmensgründungen- und nachfolgen bieten können.

Dabei wird sowohl auf erfolgserprobte Modelle zurückgegriffen wie die Unterstützung der Bürgschaftsbanken und die ERP-Gründerkredite als auch auf neue Angebote, die vereinfacht die Beschaffung von privatem Kapital ermöglichen sollen wie etwa das INVEST-Programm.

Um das Erfolgsmodell Mittelstand auch in bürokratischer Hinsicht zu entlasten und dabei zu unterstützen sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist, ist das 3. Bürokratieentlastungsgesetz derzeit in Arbeit. Die darin etwa geplante Abschaffung der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung für Existenzgründer ist sicherlich auch ein wichtige Unterstützungsmaßnahme.

Das BMWi appelliert an die Länder, die Unternehmensnachfolge nicht durch eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer weiter zu erschweren, da erfolgreiche Unternehmensnachfolgen den Generationswechsel im Mittelstand und damit wichtiges Know-how und Arbeitsplätze in Deutschland sichern.

Start-ups und Mittelstand enger vernetzen

Durch den Aufbau und die Vernetzung von 12 Digital Hubs, die jeweils spezifischen Themenschwerpunkten (z.B. Logistik) gewidmet sind, soll es Start-ups, Unternehmen, Investoren und Wissenschaft erleichtert werden, zusammenzukommen und gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln.

Nach Befragungen des BMWi kann sich eine Mehrheit der Mittelständler eine Zusammenarbeit mit Start-ups vorstellen. Hier wird DER MITTELSTANDSVERBUND auch in diesem Jahr anknüpfen. Ganz im Sinne unseres diesjährigen Kompass-Themas „Umarmung erlaubt“, sind wir uns sicher: Kooperationen sind erwünscht, wenn frische Geschäftsideen auf etablierte Unternehmen treffen. Im Rahmen unseres diesjährigen Veranstaltungskanons haben wir uns bereits Angebote einfallen lassen, die genau diese Verbindungen vorantreiben. Lassen Sie sich überraschen.

DER MITTELSTANDSVERBUND begrüßt die Initiative der Bundesregierung ausdrücklich. Es ist dringend erforderlich, den Unternehmergeist in Deutschland zu stärken und mehr Menschen für eine unternehmerische Selbständigkeit zu motivieren. Bereits Ende 2017 hat DER MITTELSTANDSVERBUND zusammen mit drei weiteren Spitzenverbänden der mittelständischen Wirtschaft ein Positionspapier verabschiedet, in dem eine Gründungsförderung auf drei Säulen vorschlagen wird: den bewährten ERP-Gründerkredit, das eingeführte EXIST-Gründerstipendium und ein Existenzfördergesetz (ExiföG), das seinen Namen verdient. Leider wurde dieser Vorschlag im Rahmen des GO!-Programms bisher nicht aufgegriffen. Es wird höchste Zeit, dass die Politik endlich angemessen reagiert und aktiv auf eine Verbesserung des Gründungsklimas hinwirkt.

Die vom BMWi herausgegebene Broschüre zur Gründungsoffensive GO! Finden Sie hier.

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