Verwertung von recyceltem Plastik: Noch immer Schere zwischen Angebot und Nachfrage

Die Europäische Kommission zieht eine Zwischenbilanz in ihrem Vorhaben zur besseren Wiedereinführung von Rezyklaten in den Wertstoffkreislauf. Dreh- und Angelpunkt bleiben dabei weiterhin Mängel beim eingesammelten Kunststoff; Die Sammelquoten bleiben niedrig und das Endprodukt beschränkt einsetzbar. Mehr Anstrengungen müssen daher unternommen werden, um in Sachen Plastik in eine wirkliche Kreislaufwirtschaft einzusteigen.

Brüssel, 10.03.2019 – Anfang 2018 legte die Europäische Kommission die Latte sehr hoch: Bis 2025 sollen zehn Millionen Tonnen Kunststoffrezyklate zu neuen Produkten für den EU-Markt verarbeitet werden, hieß es in der entsprechenden Kommissions-Mitteilung „Eine europäische Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft“.

Die Europäische Kommission zieht eine Zwischenbilanz in ihrem Vorhaben zur besseren Wiedereinführung von Rezyklaten in den Wertstoffkreislauf.Richtigerweise verzichtete die Kommission seiner Zeit auf einen regulatorischen Rahmen und setze auf die Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Bislang erklärten 70 Unternehmen und Verbände ihre Bereitschaft – verbunden mit konkreten Mengenangaben – dieses Ziel zu erfüllen.

Die Erkenntnisse

Die nun präsentierte Auswertung der Europäischen Kommission zeigt jedoch: Es wird mehr recycelter Plastik angeboten, als nachgefragt. Die Angebotsseite – meist Unternehmen, die Kunststoffe sammeln und recyceln – versprach ein Volumen von 11 Millionen Tonnen an recyceltem Plastik bis 2025. Die Nachfrageseite versprach bislang jedoch, von diesen 11 Millionen Tonnen lediglich 6,4 Millionen Tonnen abzunehmen. Es fehlt also noch etwas zur Erreichung des Ziels der Europäischen Kommission.

Die Ursachen

Die Hersteller führen dies vor allem auf die niedrige oder mittelmäßige Qualität der gewonnenen Ausgangsstoffe zurück. Diese könnten in vielen Fällen nicht mehr für ihre ursprüngliche Verwendung gebraucht werden – ein sogenanntes Down-Grading sei die Folge. Dies sei zunächst auf immer noch zu niedrige Sammelquoten zurückzuführen, meint auch die Kommission. Unterschiedliche Standards und Qualitäten bei der Aufbereitung der Kunststoffe kämen erschwerend hinzu. Diese verhindern ein europaweit einheitliches Niveau von Rezyklaten und damit einen konsistenten Absatzmarkt.  Zudem wird in den meisten Fällen lediglich mechanisch aufbereitet, was qualitativ niedrigere Endprodukte bedingt. Chemische Recycling-Prozesse, bei denen eine Zerlegung der eingesammelten Plastikmengen in seine Ausgangs-Moleküle stattfindet, würden zu qualitativ höheren Rezyklaten führen. Dieser Prozess steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Weitere Anstrengungen und finanzielle Unterstützung im Rahmen von Forschung und Entwicklung müssten daher unternommen werden.

Fazit

Viel bleibt also noch zu tun. Dennoch zeigt sich, dass die gesamte Wertschöpfungkette das Thema verinnerlicht hat und nach Lösungen sucht. Eine Lösung durch einen „Soft Touch“, also wenn überhaupt leichter gesetzlicher Vorgaben, scheint also weiterhin möglich und von den EU-Gesetzgebern als Option offengehalten. Aus Sicht des MITTELSTANDSVERBUNDES wurde jedoch ein potentieller Faktor bislang aus der Gesamtrechnung gehalten: Die öffentliche Hand bietet eine nicht unerhebliche Nachfragemacht für unterschiedliche Waren und Produkte. Mitgliedstaaten, Regionen, Städte und Gemeinden könnten daher in ihren Ausschreibungen verstärkt den Faktor „Rezyklat“ einbeziehen. So könnten neue Einsatzfelder für Produkte aus recycelten Ausgangsstoffen erschlossen und für einen breiteren Markt zugänglich gemacht werden. Denn klar muss auch sein: Die Erfüllung der gesetzten Ziele wird höhere Investitionen und damit auch höhere Produktpreise mit sich bringen. Zumindest Teile dieser Investitionssumme könnten durch eine nachhaltigere Vergabe öffentlicher Aufträge abgefangen werden. Sicherlich richtig ist jedoch auch, dass Forschungs- und Entwicklungsprojekte gezielt und stärker durch Mittel der Mitgliedstaaten und der EU gefördert werden müssen.

Initiativkreis Plastik

Die Europäische Kommission verfolgt richtigerweise einen holistischen Ansatz, indem sie alle Stufen der Wertschöpfungskette in die Diskussion einbezieht. Auch DER MITTELSTANDSVERBUND hatte bereits in seinem ersten Initiativkreis Plastik im September 2018 Vertreter aus den unterschiedlichen Stufen der Wirtschaft an einen Tisch gebracht, um neue Ansätze und Best Practices zur Kunststoff-Reduzierung zu besprechen. In einer Fortsetzung dieser ersten erfolgreichen Veranstaltung werden am 27. März 2019 in Berlin wiederum Experten aus Verbundgruppen, Industrie und Politik über die zukünftige Ausgestaltung dieses überaus wichtigen Themas diskutieren. Alle Verbundgruppen sind erneut herzlich eingeladen, sich durch eine Teilnahme oder durch Eingaben vorab oder im Anschluss an dieser Diskussion zu beteiligen. Gestalten Sie die Zukunft des Wertstoffkreislaufs aktiv mit, solange noch die Chance dazu besteht.

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