Außenwirtschaftlicher Gegenwind nimmt zu: Kooperierender Mittelstand bleibt Stabilitätsanker

Angesichts von Zollstreit und Konjunkturschwäche geht die deutsche Wirtschaft gebremst in das zweite Halbjahr. Doch dank seiner robusten Grundstrukturen beweist der kooperierende Mittelstand, dass wichtige binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte weiterhin intakt sind, wie die Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES unter seinen Mitgliedern belegt.

Berlin, 23.07.2019 – Die Jahresmitte 2019 ist erreicht – Zeit für eine Zwischenbilanz. Nach einem Plus von 1,5 Prozent im vergangenen Jahr prognostiziert die Bundesregierung für 2019 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Neben den internationalen Zollkonflikten und der Sorge vor einem harten Brexit bereiten der Wirtschaft auch die Spannungen zwischen den USA und dem Iran Sorgen. Und neben dem Handelsstreit mit China scheint US-Präsident Trump nun verstärkt Europa in den Fokus zu nehmen.

Dieser außenwirtschaftliche Gegenwind geht auch am kooperierenden Mittelstand nicht spurlos vorbei, wie die aktuelle Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES zeigt. So verzeichneten die Verbundgruppen im zweiten Quartal des Jahres einen leichten konjunkturellen Dämpfer: Knapp 64 Prozent – und damit rund fünf Prozent weniger als im ersten Quartal des Jahres – bewerteten die wirtschaftliche Lage als gut. Knapp 35 Prozent ordneten diese als befriedigend ein. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei der Entwicklung der Umsätze in den Kooperationen. Hier beurteilten knapp 75 Prozent der Verbünde ihre Umsatzentwicklung im zweiten Quartal als beständig oder steigend, demgegenüber registrierten etwa 24 Prozent der Verbundgruppen einen Rückgang.  

Stabiles Erwartungsniveau im kooperierenden Mittelstand

Der Ausblick für das weitere Jahr zeigt ebenfalls eine etwas langsamere Gangart an, bewegt sich aber dennoch bei mehr als 53 Prozent der befragten Kooperationen auf stabilem Erwartungsniveau. Der Blick gen Anschlusshäuser hellt das Bild wieder auf: So sank die Zahl jener, die zu Beginn des Jahres noch von einem Umsatzrückgang berichteten, von 21,6 Prozent auf 15,9 Prozent. Gleichzeitig sprechen knapp 77 Prozent der Anschlusshäuser von einem stetigen oder gar steigenden Umsatzverlauf.

Etwas verringert stellt sich die Investitionsbereitschaft in den Verbundgruppen dar. Stieg im zweiten Quartal die Zahl der investitionsfreudigen Verbünde im Vergleich zum Beginn des Jahres an, scheint sich diese nun im weiteren Verlauf des Jahres leicht abzubremsen. So plant mehr als die Hälfte der Verbundgruppen mit einem soliden Investitionsvolumen, gleichzeitig sank die Zahl jener Kooperationen, die darüber hinaus weitere Investitionen planen, um etwa fünf Prozent auf 39,1 Prozent.

Doch dank seiner robusten Grundstrukturen beweist der kooperierende Mittelstand, dass wichtige binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte weiterhin intakt sind. So zeichnet sich für den Jahresverlauf eine positive Beschäftigungsentwicklung ab – mehr als 30 Prozent der Kooperationen wollen in den kommenden Monaten mehr Personal einstellen.

Retouren-Quote im kooperierenden Mittelstand moderat

Online-Bestellungen spielen im Einzelhandel eine immer größere Rolle. Die neuen Schuhe sehen schick aus, sind aber zu klein – der bestellte Teppich passt farblich nicht zur Couch. Beim Online-Shopping kann Ware in solchen Fällen zurückgeschickt werden – häufig sogar kostenlos. Entsprechend steigt auch die Zahl der Retouren immer weiter an. Das Meinungsspektrum in der Politik diskutiert daher Verbote, Sonderabgaben oder Steuervorteile für Spenden. Doch wie ist der Status Quo im kooperierenden Mittelstand?

Hier zeigt sich die durchschnittliche Retouren-Quote eher moderat, wie die aktuelle Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES belegt. So berichten 61,2 Prozent der befragten Kooperationen, die Rücklaufquote betrage zwischen fünf und zehn Prozent – bei rund 35 Prozent fällt dieser Wert mit unter fünf Prozent noch niedriger aus.

Dass ein zurückgeschickter Artikel vernichtet wird, kann verschiedene Gründe haben. Jede zweite Kooperation begründet diesen Schritt mit der Beschädigung der Artikel. Bei mehr als 47 Prozent der Verbünde spielen andere Komponenten eine Rolle, so etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum, Maßanfertigungen oder benutzte Artikel, die nicht mehr verkaufbar seien.

Vernichtung von Waren Ultima Ratio

Doch wie viele der Rücksendungen landen im Müll? Bei rund 60 Prozent der befragten Verbundgruppen liegt der Anteil der vernichteten Waren an den Rückläufen bei fünf bis zehn Prozent. Bei knapp 38 Prozent der Verbünde bewegt sich dieser Wert sogar unter fünf Prozent.  

Dies beweist: Die kurzfristig entflammte Diskussion um Berge vernichteter Retouren stand auf wackeligen Zahlen. Die Vernichtung von Waren ist und bleibt Ultima Ratio im Handel. „Positive Anreize wie Steuerbegünstigungen bei Spenden sind zwar nett, werden aber nicht zu den gewünschten Einspareffekten führen. Ein wichtiger Hebel wäre eher ein nachhaltiges Verständnis von Verbraucherschutz.“, appelliert Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND. Die noch im letzten Jahr präsentierten konstruktiven Vorschläge der Europäischen Kommission, etwa beim übermäßigen Nutzen einer Ware das Widerrufsrecht einzuschränken, konnten sich vor allem im Europäischen Parlament nicht durchsetzen. „Hier könnten jedoch wichtige Anreize hin zu einem nachhaltigen Konsum gesetzt werden, anstatt umweltpolitische Strohfeuer zu zünden.“, so Veltmann weiter.

An der Konjunkturumfrage haben sich 67 Verbundgruppenzentralen aus 17 Branchen beteiligt. Die Erhebung wird regelmäßig unter den Verbundgruppen des MITTELSTANDSVERBUNDES durchgeführt, die insgesamt 230.000 mittelständische Unternehmen vertreten. Zu den befragten Einkaufs-, Marketing- und Dienstleistungskooperationen zählen beispielsweise Edeka, Rewe, Intersport, Sport 2000, expert, MEGA und BÄKO.

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