Lieferengpässe belasten Mittelstand schwer – Konjunktur vorläufig noch stabil

Welche Auswirkungen haben die derzeitigen Lieferengpässe auf den kooperierenden Mittelstand? Die Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES unter seinen Mitgliedern hat ergeben: 85 Prozent der Kooperationen sind merklich oder gar gravierend betroffen und sehen sich mit Materialverteuerungen bis hin zu Auftragsstornierungen konfrontiert. Bestimmte Produktgruppen wie Metalle und Holz sind dabei besonders rar.

Berlin, 14.10.2021 – Die wirtschaftliche Lage im Mittelstand zeigte sich im 3. Quartal 2021 etwas gedämpft, aber vorläufig noch weiterhin positiv. 63 Prozent der Verbundgruppen ging es im 3. Quartal 2021 wirtschaftlich gut. Im Vergleich zu den Vormonaten waren das allerdings etwa 9 Prozent weniger. Demgegenüber stellte sich die Situation bei mehr als jeder dritten Kooperation im 3. Quartal als stabil dar – im Vorquartal lag dieser Wert bei rund 23 Prozent.

Umsätze im kooperierenden Mittelstand vorläufig noch stabil bis steigend

Was verrät der Blick auf die Umsätze? Diese bewegten sich bei 35 Prozent der Kooperationen im 3. Quartal 2021 auf konstantem Niveau (Vergleich Q2: 23,4 Prozent). Jede zweite Verbundgruppe stellte von Juli bis September eine Umsatzsteigerung fest – das sind 20 Prozent weniger als im Vorquartal. Bei 11,7 Prozent der befragten Kooperationen gingen die Umsätze zurück – im Vergleich zum 2. Quartal ist das in dieser Gruppe ein Plus von 7 Prozent. Ähnlich stellt sich die Lage in den Anschlusshäusern der Verbundgruppen dar: Bei 28,3 Prozent und damit mehr als ¼ der Unternehmen sind die Umsätze in den letzten drei Monaten stabil geblieben, bei 55 Prozent sind sie gestiegen.

Ein geteiltes Bild zeigt sich beim Ausblick für das laufende Jahr: Jeweils rund 43 Prozent gehen in den kommenden Monaten von stabilen oder steigenden Umsätzen aus. Hier hatte der Wert im Vorquartal bei rund 33 Prozent (gleichbleibend) und bei mehr als 51 Prozent (steigend) gelegen. 11,7 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer rückläufigen Entwicklung.

Ein ähnlicher Trend ist bei der Ertragslage der Kooperationen erkennbar. So berichten mehr als 43 Prozent der Unternehmen für die Monate Juli bis September von stabilen Erträgen (Vergleich Q2: rund 36 Prozent) – für rund 42 Prozent ging es hier aufwärts (Vergleich Q2: rund 55 Prozent). In der Prognose für das weitere Jahr rechnen 48,3 Prozent mit konstanten Erträgen (Vergleich Q2: 40,6 Prozent), 36,7 Prozent gehen von einem Anstieg aus (Vergleich Q2: 45,3 Prozent).

„Um auf Vorkrisenniveau anzukommen, ist mehr Wachstum erforderlich. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.“, betont Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des MITTELSTANDSVERBUNDES, mit Blick auf die Zahlen.

Investitionsniveau im Mittelstand weiter aufwärtsgerichtet

Wieviel investierte der kooperierende Mittelstand im 3. Quartal? Mehr als 53 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen haben in den Monaten Juli bis September genauso viel investiert wie im 2. Quartal des Jahres. Demgegenüber berichteten 36,7 Prozent und damit mehr als 2/3 der Kooperationen von höheren Ausgaben bei Investitionen (Vergleich Vorquartal: 35,9 Prozent). Für die kommenden Monaten plant die Hälfte der Verbundgruppen mit gleichen Investitionsausgaben, 40 Prozent wollen noch mehr investieren (Vergleich Q2: 39,1 Prozent).

Beschäftigungsniveau tendenziell steigend

Was zeigt der Blick ins Beschäftigungsniveau? Die Mitarbeiterzahlen in den Kooperationen waren im 3. Quartal bei 80 Prozent stabil im Vergleich zum Vorquartal. 15 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen haben von Juli bis September Mitarbeitende eingestellt. Das ist ein Plus von rund 4 Prozent im Vergleich zum 2. Quartal. Demgegenüber ging die Zahl jener Unternehmen zurück, die Stellen abgebaut haben – das waren im 3. Quartal 5 Prozent und damit rund 3 Prozent weniger als noch im Vorquartal. Auch bei den Anschlusshäusern der Kooperationen geht der Trend nach oben: So haben 21,7 Prozent im 3. Quartal personell aufgestockt – das ist ein Plus von mehr als 9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Gleichzeitig hat sich bei rund 57 Prozent der Anschlusshäuser das Beschäftigungsniveau von Juli bis September im Vergleich zum Vorquartal nicht verändert und blieb damit stabil.

Für die Zukunft zeigt sich ein ebenfalls stabiles Bild: Rund 82 Prozent der Verbünde planen mit einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl, rund 17 Prozent wollen hier aufstocken.

Lieferengpässe belasten Mittelstand schwer

Die derzeitigen Lieferengpässe belasten mit 85 Prozent die große Mehrheit der Kooperationen merklich oder sogar gravierend – das hat die Konjunkturumfrage des MITTELSTANDSVERBUNDES unter seinen Mitgliedern für das 3. Quartal ergeben.

Mangelware sind derzeit insbesondere Metalle – hier spürt deutlich mehr als jedes dritte Unternehmen den Lieferengpass. Auch Holz, Kunststoffe und Elektronikkomponenten sind aktuell rar – bei diesen Produktgruppen stellt jeweils rund 1/3 der Verbünde Lieferengpässe fest. Etwa 16 Prozent der befragten Mittelständler berichten bei Möbeln und Verpackungen sowie Füllmaterialien von einem Mangel. Für mehr als 13 Prozent ist die Produktgruppe Werkzeuge und Maschinen vom Engpass betroffen.

Doch welche Folgen haben Lieferengpässe für die mittelständischen Unternehmen? Rund 67 Prozent der Kooperationen sehen sich mit Materialverteuerungen konfrontiert, 65 Prozent sprechen von Lieferverzögerungen und rund 42 Prozent stellen Auftragsverzögerungen fest. Auch von Lieferausfällen berichten die Verbünde – so sind etwa 27 Prozent davon betroffen. Für 25 Prozent der befragten Mittelständler führen die Lieferengpässe zu Auftragsstornierungen.

Welche Prognosen trifft der kooperierende Mittelstand mit Blick auf die Lieferengpässe für die kommenden Monate? 90 Prozent der Verbundgruppen rechnen in naher Zukunft mit keiner Verbesserung oder sogar mit einer Verschlechterung der Lage. Nur 6,6 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation rasch bessert.

Auch Auswirkungen auf die Umsätze bleiben nicht aus: Für rund 37 Prozent der befragten Kooperationen sind die Umsatzerwartungen aufgrund der Lieferengpässe für die kommenden Monate gedämpft. Gleichzeitig rechnen rund 38 Prozent dennoch mit stabilen Umsätzen und rund 23 Prozent mit Umsatzsteigerungen.

An der Konjunkturumfrage haben sich 60 Verbundgruppenzentralen mit rund 43.000 angeschlossenen Unternehmen aus 17 Branchen beteiligt – darunter waren etwa Küchen & Möbel, Konsumelektronik, Schuhe & Textil, das Bauhandwerk und Lebensmittel & Getränke. Die Erhebung wird regelmäßig unter den Verbundgruppen des MITTELSTANDSVERBUNDES durchgeführt, die insgesamt 230.000 mittelständische Unternehmen vertreten. Zu den befragten Einkaufs-, Marketing- und Dienstleistungskooperationen zählen beispielsweise Edeka, Rewe, Sport 2000, expert, MEGA und BÄKO.

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