Mittelstandstracker Mai/Juni 2021: Corona-Wirtschaftshilfen können Umsatzeinbußen im Mittelstand nicht kompensieren – Belastungsmoratorium muss politische Priorität sein

Die Ergebnisse der jüngsten Befragungswelle des Mittelstandstrackers zeigen: Die Unternehmen im kooperierenden Mittelstand sind weiterhin stark von der Coronakrise betroffen. Die bestehenden Wirtschaftshilfen können erlittene Umsatzeinbußen nicht umfassend ausgleichen. Die nächste Bundesregierung darf die Unternehmen daher keinesfalls noch stärker finanziell belasten, sondern muss die Rahmenbedingungen zur Ermöglichung einer wirtschaftlichen Erholung deutlich verbessern.

Berlin, 01.06.2021 – Seit Oktober 2020 befragt DER MITTELSTANDSVERBUND in Zusammenarbeit mit dem IFH Köln regelmäßig die Mitgliedsunternehmen der gewerblichen Verbundgruppen zu ihrer wirtschaftlichen Lage und erstellt daraus den „Mittelstandstracker“. In der jüngsten Befragungswelle im Mai 2021 waren die teilnehmenden kleinen und mittleren Unternehmen unterschiedlicher Branchen erstmals aufgerufen, detailliertere Angaben zur Nutzung der Corona-Wirtschaftshilfen und ihrer aktuellen finanziellen Situation zu machen.

Dabei zeigen sich die teilnehmenden Unternehmen mit den vorhandenen Wirtschaftshilfen von Bund und Ländern insgesamt nicht zufrieden: Ganze 74 Prozent der Befragten halten die Corona-Wirtschaftshilfen bezogen auf ihr Unternehmen für nicht ausreichend. Immerhin 21 Prozent – und damit etwa jedes fünfte Unternehmen – befürchten sogar, ohne Nachbesserungen bei den Wirtschaftshilfen die kommenden drei Monate wirtschaftlich nicht überstehen zu können. Bezogen auf die Überbrückungshilfe als gegenwärtig wichtigster öffentlicher Unterstützungsleistung zeigen sich ebenfalls Schwächen, z.B. bei der Auszahlung an die Unternehmen: Selbst von den Unternehmen, die bereits vor mehr als 3 Monaten Überbrückungshilfe beantragt hatten, haben bisher nur etwa zwei Drittel die ihnen zustehende Hilfszahlung vollständig ausgezahlt bekommen. Abgesehen von diesen Verzögerungen nennen die Unternehmen als größte Herausforderungen bei der Überbrückungshilfe die Komplexität der Antrags- und Förderbedingungen, den aufwendigen Prozess der Antragstellung, die Erfüllung der Anforderungen sowie den Aufwand nachträglicher Änderungen.

Bezogen auf die aktuelle finanzielle Situation der Unternehmen zeigen sich besorgniserregende Tendenzen: So geben 37 Prozent der Befragten an, dass die Nutzung von privatem Kapital zur Stützung des eigenen Unternehmens in den vergangenen Wochen zugenommen habe. Lediglich bei 9 Prozent hatte die Nutzung von privatem Kapital an Bedeutung verloren. Eine ähnliche Verteilung zeigt sich auch bei der Auflösung einer privaten Altersvorsorge zur Stützung des Unternehmens – wobei hier die meisten Unternehmen keine Veränderung sahen. Aus Sicht des MITTELSTANDSVERBUNDES müssen diese Ergebnisse dennoch sehr ernst genommen werden. Sie belegen, dass die finanzielle Lage vieler, vor allem kleiner Unternehmen im kooperierenden Mittelstand derzeit – trotz der Corona-Wirtschaftshilfen – sehr angespannt ist. Dies muss auch für die Politik ein Warnsignal sein. Dr. Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer DER MITTELSTANDSVERBUND, erklärt hierzu: „Die Politik darf nicht die Augen davor verschließen, dass viele kooperierende Mittelständler nach mehr als einem Jahr der wirtschaftlichen Krise finanziell ausgezehrt sind. Sowohl für die aktuelle wie auch für eine kommende Bundesregierung muss daher ein ernst gemeintes Belastungsmoratorium für die Unternehmen oberste Priorität haben. Zusätzliche steuerliche Belastungen und neue bürokratische Pflichten verbieten sich, wenn die wirtschaftliche Erholung im Mittelstand eine Chance haben soll.“

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