Tarifrunde 2017 beendet – 2,5 Prozent mehr Lohn

Die neuen Lohn- und Gehaltstarife für die Verbundgruppen sind in allen Bundesländern abgeschlossen. Bis zur nächsten Entgeltrunde stehen in der Tarifpolitik nun andere Themen auf der Agenda. DER MITTELSTANDSVERBUND informiert.

Berlin, 09.08.2017 — Die Tarifrunde 2017 für die Verbundgruppen sowie den allgemeinen Groß- und Außenhandel ist beendet. Nach dem ersten Abschluss in Nordrhein-Westfalen am 06. Juni wurden in den anderen Bundesländern ebenfalls Einigungen zwischen Arbeitgebern und ver.di erzielt.

Ergebnisse der Tarifrunde 2017

MITTELSTANDSVERBUND-Geschäftsführerin Judith RöderDie Tarifabschlüsse enthalten nach nordrhein-westfälischem Vorbild folgende Komponenten:

  • Laufzeit: 24 Monate (Start je nach Bundesland 01. April/Mai/Juni 2017)
  • 3 Nullmonate zum Beginn der Laufzeit
  • danach Anhebung der Löhne und Gehälter um 2,5 Prozent /Start je nach Bundesland 01. Juli/August/September 2017)
  • nach 9 weiteren Monaten Anhebung der Löhne und Gehälter um 2,0 Prozent (Start je nach Bundesland 01. April/Mai/Juni 2018)
  • Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 2,5 Prozent ab in 2017 sowie um 2,0 Prozent in 2018, in einigen Bundesländern abweichende Regelungen (Anhebung um 30 EUR in 2017 und um 20 EUR in 2018)

Derartige Abschlüsse wurden nach Nordrhein-Westfalen auch für die Verbundgruppen in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erzielt. Für Schleswig-Holstein hat der Arbeitgeberverband Gewerblicher Verbundgruppen e.V. (AGV) seinen Mitgliedern empfohlen, das Ergebnis auf betrieblicher Ebene zu übernehmen.

Angemessenes Ergebnis und geringe Belastung durch Streik

Judith Röder, Geschäftsführerin des AGV, bewertet die Tarifabschlüsse als einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss. "Aus Arbeitgebersicht konnte in einem für Tarifverhandlungen schwierigen Umfeld mit steigender Inflationsrate und hohen Gewerkschaftsforderungen ein Abschluss erzielt werden, der noch unter dem Tarifergebnis aus 2015 liegt. Die Steigerung der Entgelte um 2,5 Prozent im Jahr 2017 konnte durch die drei Nullmonate so gestaltet werden, dass sie für die Unternehmen insgesamt wirtschaftlich tragbar ist", so Röder.

Positiv bewertet Röder, dass der Abschluss in Nordrhein-Westfalen bereits in der dritten Verhandlungsrunde und damit zu einem sehr frühen Zeitpunkt erzielt wurde. So konnte die Belastung der Unternehmen durch Arbeitskämpfe möglichst gering gehalten werden. Zudem war nicht zu erwarten, dass eine länger andauernde Verhandlungsrunde zu einem günstigeren Ergebnis geführt hätte.

Neue Baustelle: Betriebsrenten

Das Anfang 2018 in Kraft tretende „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ wird die Tarifpartner in der Zukunft beschäftigen. Einige der in diesem Gesetz vorgesehenen Instrumente brauchen die Ausgestaltung durch Tarifverträge, um in der Praxis angewendet werden zu können. Dies gilt insbesondere für den neuen bAV-Durchführungsweg der reinen Beitragszusage. Für Arbeitgeber ist dieses Instrument interessant, da es sie von der Einstandspflicht für die tatsächlich auszuzahlende Betriebsrente befreit.

Röder erwartet hier jedoch einen längeren Prozess. Zunächst müsse das neue Gesetz fachlich bewertet und mit den aktuellen Tarifverträgen zur bAV abgeglichen werden.

Alte Baustellen: Manteltarife und Entgeltstrukturen

Dauerbrenner ist seit zehn Jahren das Thema Entgeltstrukturen. Diese Vorgaben zur Eingruppierung von Mitarbeitern in Lohn- und Gehaltsgruppen sind in vielen Bundesländern fast 40 Jahre alt und bilden daher vielfach nicht mehr die tatsächlichen Tätigkeiten und Arbeitsabläufe in den Unternehmen ab.

Der allgemeine Großhandel in Bayern hatte vor zehn Jahren Verhandlungen mit ver.di zu diesem Thema begonnen und 2014 einen entsprechenden neuen Tarifvertrag abgeschlossen. Dieser wird aktuell in den Unternehmen umgesetzt. Unter Beteiligung der Verbundgruppen gibt es ebenfalls seit einigen Jahren Gespräche mit ver.di für das Tarifgebiet Hamburg, die ebenfalls eine neue, moderne Entgeltstruktur zum Ziel haben. Diese Gespräche werden nun nach der Lohn- und Gehaltsrunde weiter geführt.

Ebenfalls unter Beteiligung der Verbundgruppen weiter geführt werden Gespräche zur Aktualisierung des Manteltarifvertrages in Nordrhein-Westfalen. Insbesondere die Regelungen zur Gestaltung der Arbeitszeit passen aus Sicht der Arbeitgeber nicht mehr in die aktuelle Zeit. Sowohl die Betriebe als auch Arbeitnehmer wünschen sich vielfach eine flexiblere Handhabung als sie der Manteltarif aktuell erlaubt.

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