Günter Althaus: "Die EU muss die Belange des Mittelstandes berücksichtigen"

Die EU-Kommission hat im August den Abschlussbericht der Hochrangigen Gruppe für Wettbewerbsfähigkeit im Einzelhandel veröffentlicht. Günter Althaus, Mitglied der Gruppe, erklärt im Interview mit den SynergienNews, welche Empfehlungen für die europäische Politik ausgesprochen wurden.

SynergienNews: Herr Althaus, Sie sind Mitglied der Hochrangigen Gruppe für Wettbewerbsfähigkeit. Die Gruppe wurde Ende 2013 von der EU-Kommission eingesetzt. Mit welchem Ziel?

Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender der ANWR-Group eG und MITTELSTANDSVERBUND-PräsidiumsmitgliedGünter Althaus: Die Bildung der Hochrangigen Gruppe war Teil des "Aktionsplans Einzelhandel" den die EU-Kommission im Jahr 2013 auf den Weg gebracht hat. Die Gruppe soll vor allem das Bewusstsein der politischen Instanzen für das wichtige Thema „Handel“ schärfen. Durch den Erfahrungsaustausch der Mitglieder und Einbeziehung von Best-Practice-Beispielen hat die Gruppe Maßnahmen erarbeitet, die wesentlich zur Verbesserung und Förderung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Handels innerhalb der EU beitragen können.

SN: Aus welchen weiteren Vertretern besteht die Gruppe?

Althaus: Die Hochrangige Gruppe besteht aus 19 Mitgliedern, die die breite Palette des Handels in Europa repräsentieren und die Kommission aus Unternehmenssicht beraten sollen. Vertreter international tätiger Handels- und Konsumgüterkonzerne aus verschiedenen europäischen Ländern arbeiten dort zusammen, unter anderem von Lidl, Metro, Ikea und Carrefour. Wie so oft sind allerdings Vertreter der vielen kleinen und mittleren Unternehmen auch in diesem Gremium nicht überrepräsentiert.

SN: Mit welchen Themen hat sich die Hochrangige Gruppe genau beschäftigt?

Althaus: Der Handel spielt national und grenzüberschreitend in der europäischen Wirtschaft eine wesentliche Rolle. Er ist Wachstumsmotor und schafft Arbeitsplätze.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns intensiv mit einem Fünf-Punkte-Programm beschäftigt, mit dem Handelshemmnisse beseitigt und die Wettbewerbsfähigkeit des Handels in Europa gesichert werden sollen:

1. Aufhebung von Barrieren für den Binnenmarkt

2. Unterstützung der Entwicklung im E-Commerce

3. Maßnahmen zur Wachstumsförderung von kleinen und mittleren Unternehmen

4. Förderung von Innovation im Einzelhandel

5. Schaffung von Rahmenbedingungen für ein günstiges Arbeitsumfeld

SN: Konnten Sie die besondere Bedeutung von Kooperationen für mittelständische Unternehmen herausstellen?

Althaus: Im Rahmen vieler Gespräche und der Vorschläge an die EU Kommission habe ich stets betont, dass Kooperationen und Verbundgruppen europaweit unentbehrlich für die Wettbewerbsfähigkeit des Handels und daher zu fördern sind. Gerade das so bewunderte Modell des „German Mittelstand“ verdankt einen Teil seines Erfolgs auch der Existenz leistungsfähiger Netzwerke und Verbundsysteme.

SN: Die Hochrangige Gruppe für Wettbewerbsfähigkeit im Einzelhandel hat der EU-Kommission vor wenigen Wochen den Abschlussbericht vorgelegt. Welche Empfehlungen sprechen Sie darin für die europäische Politik aus?

Althaus: Auf die Einhaltung und Umsetzung gemeinsamer europäischer Regeln sollte aus Sicht der Gruppe stärker geachtet werden. Es bestehen zwischen den Ländern der EU immer noch viel zu viele rechtliche Unterschiede, die leistungsfähigen Handel auch über Ländergrenzen hinweg beeinträchtigen. Zudem müssen künftige Regeln bürokratische Hürden reduzieren und nicht noch erweitern.

Dabei geht es auch um die Schaffung von Chancengleichheit in einer sich schnell digitalisierenden Handelswelt. Dies beginnt schon bei der Preisgestaltung im Netz. Derzeit ist es beispielsweise Kooperationen/Verbundgruppen im Gegensatz zu großen Filialbetrieben kartellrechtlich untersagt, einheitliche Preise europaweit zu kommunizieren. Insbesondere beim E-Commerce bringt diese Vorschrift Probleme mit sich. Um gleiche Bedingungen im Wettbewerb zu schaffen, sollten die Möglichkeiten zur Preisbindung bei Verbundgruppen überdacht werden.

Wichtig ist aus unserer Sicht, dass die EU den Aufbau von E-Commerce Plattformen fördert, auf denen kleinere und mittlere Unternehmen ihre Produkte online verkaufen können. Die Unterstützung digitaler Kommunikation und der Aufbau leistungsfähiger Infrastrukturen ist ebenfalls ein wesentlicher Ansatz.

Außerdem haben wir das Thema Innovation im Handel betrachtet und empfehlen, Innovationsförderprogramme auszubauen und Qualifikationsmaßnahmen zur Verbesserung der Innovationsfähigkeit bei mittelständischen Unternehmen aufzulegen.


Günter Althaus ist Vorsitzender des Vorstandes der ANWR Group eG und Mitglied des MITTELSTANDSVERBUND-Präsidiums. Althaus wurde in die Hochrangige Gruppe für Wettbewerbsfähigkeit im Einzelhandel berufen. Die Gruppe wurde 2013 von der EU-Kommission als Teil des "Aktionsplans Einzelhandel" auf den Weg gebracht.

Weitere Informationen:

Kommission veröffentlicht Empfehlungen zur Wettbewerbsfähigkeit des Einzelhandels

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