Arbeitskräftemangel: Bundesregierung muss Erwerbsmigration spürbar erleichtern

Vor allem die Unternehmen im Mittelstand leiden unter dem zunehmenden Arbeitskräftemangel, der sich mittlerweile durch sämtliche Branchen zieht. Spürbare Abhilfe könnte eine Stärkung der qualifizierten Erwerbsmigration nach Deutschland schaffen. Die REWE Group hat vor diesem Hintergrund ein Positionspapier mit konkreten Forderungen an die Politik vorgelegt, die auch DER MITTELSTANDSVERBUND ausdrücklich begrüßt.

Berlin, 23. August 2022 – Der seit Jahren ausgerufene Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen hat sich längst zu einem allgemeinen Arbeitskräftemangel entwickelt. Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege, das Arbeitskräfteangebot zu erhöhen. Angesichts der ungünstigen demographischen Entwicklung dürfte das zusätzliche Arbeitskräftepotential innerhalb Deutschlands jedoch – selbst bei mehr Anreizen zur Erhöhung der individuellen Arbeitsstundenzahl – begrenzt bleiben. Das Arbeitskräftepotential aus dem Ausland wurde hingegen bisher nicht annähernd ausgeschöpft. Auch wenn sich die vergangenen Bundesregierungen bereits ein Stück weit bemüht haben, den Zuzug qualifizierter Fachkräfte zu erleichtern, bleiben weiterhin viele Hürden bestehen. Die amtierende Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag erfreulicherweise zur Stärkung der Erwerbsmigration bekannt und bereits erste Initiativen zur Reformierung des Einwanderungsrechts auf den Weg gebracht. Hier setzt das Positionspapier der REWE Group an und fordert weitergehende Schritte ein.

Allein in Deutschland steht die REWE Group insgesamt vor der Herausforderung, jährlich 50.000 Stellen neu zu besetzen. Zwar nutzt sie innovative Wege im Arbeitgebermarketing und bietet ihren Beschäftigten vielfältige zielgenaue Angebote – etwa im Bereich der Weiterbildung oder aber zur Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Doch kommen diese Maßnahmen an ihre Grenzen, wenn es schlicht nicht genug Menschen gibt, die die freien Stellen besetzen könnten“, wie Christopher Ranft, Bereichsleiter Recruiting der REWE Group, ausführt. „Bei der REWE Group spüren wir den Arbeitskräftemangel mehr und mehr, in der Logistik wie in der IT, im Einkauf wie im Verkauf oder an der Servicetheke. Wir hören bereits von Märkten in ländlichen Regionen, die ihre Türen für die Kund:innen morgens später öffnen oder abends früher schließen müssen.“ Es kommt daher maßgeblich auf die politischen Rahmenbedingungen an, um das Problem eines zunehmenden Arbeitskräftemangels wirklich anzugehen. Die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ausgerufene Stärkung der Erwerbsmigration kann dabei über verschiedene Ansatzpunkte umgesetzt werden.

Ein Ansatz, der sich in den Augen der REWE in den zurückliegenden Jahren gut bewährt hat, ist die Westbalkanregelung. Nicht zuletzt da mehr als die Hälfte der hierüber gewonnenen Beschäftigten Fachkräfte sind, sei die angekündigte Entfristung der Westbalkanregelung sehr zu begrüßen. Auch weitere Ansätze, um Arbeitskräften zur Jobsuche den gesteuerten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, sind für die REWE zielführend, sollten aber möglichst bürokratiearm ausgestaltet werden. Dies gilt sowohl für die Einführung einer Chancenkarte auf Basis eines Punktesystems als auch für die Ausweitung der Blue Card auf nicht-akademische Berufe. Es ist auch in den Augen des MITTELSTANDSVERBUNDES längst überfällig, dass nicht-akademische Berufe bei der Erwerbsmigration stärker berücksichtigt werden. Die REWE betont richtigerweise auch, dass wir uns mit Blick auf den derzeit vorherrschenden Arbeitskräftemangel keinesfalls in einer Situation befinden, in der ausländische Arbeitskräfte den hiesigen Beschäftigten ihre Anstellungen streitig machen würden. In diesem Zusammenhang stellt auch der Gesetzentwurf für ein Chancen-Aufenthaltsrecht einen Schritt in die richtige Richtung dar. Des Weiteren wichtig bleiben eine Absenkung von Hürden bei der Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen aus dem Ausland sowie wie der Abbau von Bürokratie und die Beschleunigung der Verwaltungsverfahren. In diesem Zusammenhang wäre auch die flächendeckende Anerkennung von Dokumenten in englischer Sprache wünschenswert.

Christopher Ranft resümiert mit Blick auf den Arbeitskräftemangel: „Wenn wir nicht bei all diesen Themen deutlich an Tempo dazu gewinnen, werden wir die Auswirkungen nicht nur an Deutschlands Flughäfen spüren, sondern unser Leben an das ‚new normal‘ anpassen – und das sieht in diesem Fall eher düster aus.“ DER MITTELSTANDSVERBUND teilt diese Einschätzung und wird sich deshalb in seiner politischen Arbeit – ganz im Sinne der REWE Group – für entsprechende Verbesserungen im Einwanderungsrecht und damit eine erleichterte Erwerbsmigration einsetzen.

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