GS1 Germany: Mobile Payment ist im Handel angekommen

Mobiles Bezahlen könnte bald an der Tagesordnung sein, erklärt Ercan Kilic, Leiter Strategieprojekt MobileCom bei GS1 Germany in einem Gastbeitrag für die SynergienNews. Vorausgesetzt, es geht einfach.

Der Anteil der Skeptiker geht zurück und immer mehr Händler rüsten am Point of Sale auf: mobiles Bezahlen könnte schon bald an der Tagesordnung sein. Auch der Konsument öffnet zunehmend die digitale Geldbörse: Vorausgesetzt, es geht einfach.

Auf der Mobile in Retail Konferenz am 29. und 30. September in Berlin wurde gerade die vierte Auflage der Trendstudie "Mobile in Retail 2015" präsentiert. Für die Studie befragte das EHI im Auftrag von GS1 Germany Händler, Hersteller, Mobilfunknetzbetreiber, Zahlungsnetzbetreiber, Wallet-Anbieter, Banken und Kreditkartenorganisationen. Sie zeigte, dass Mobile Payment kein kurzfristiger Hype mehr ist, sondern sich langfristig etablieren wird. Ein deutliches Umdenken hat hier seit der Vorjahresstudie insbesondere auf Seiten der Händler stattgefunden. Während 40 Prozent von ihnen Mobile Payment 2014 nur als kurzfristigen Hype einschätzten, ist der Anteil der Skeptiker 2015 auf 6 Prozent zurückgegangen. Als zentraler Faktor für den Erfolg von Mobile Payment gilt die Etablierung geeigneter technologischer Standards. Klarer Favorit ist hier das mobile Bezahlen mittels Near Field Communication, kurz NFC. Wallet-Anbieter, Zahlungsnetzbetreiber, Banken und Kreditkartenorganisationen sehen darüber hinaus Potenzial - wenn auch deutlich geringeres - in der Abwicklung von Mobile Payment über eine Online-Verbindung im Backend.

Die befragten Händler wurden auch gebeten, eine Einschätzung zukünftiger Herausforderungen zu geben. Danach sehen 80 Prozent der Handelsunternehmen eine Hauptaufgabe darin, das neue Bezahlverfahren beim Konsumenten bekannt und akzeptiert zu machen. Daneben sehen die Befragten Herausforderungen darin, eine händlerübergreifende Bezahllösung bereitzustellen, ein marktfähiges Konditionenmodell zu etablieren sowie zusätzliche Mehrwertdienste in die Wallet einzubinden.

Starke Impulse für NFC-Zahlung

Dass gerade der Zahlung via NFC solch ein Potenzial zugeschrieben wird, liegt sicher auch an der Initiative NFC City Berlin. Sie ist wichtiger Impulsgeber für die Nutzung und Akzeptanz des mobilen Bezahlens. Das zeigt sich nicht nur im Medienecho und dem anhaltenden Interesse neuer Partner, in die Initiative mit einzusteigen: Gestartet ist NFC City Berlin mit acht Handelskanälen, mittlerweile sind es 23. Damit stieg die Anzahl der Akzeptanzstellen von 500 auf 850 Märkte und Shops.

Darüber hinaus kann im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen viele einzelne Piloten auf unterschiedlicher technologischer Basis im Handel stattfanden, eine verstärkte Standardisierung feststellen. Mit jeder Akzeptanzstelle, die auf NFC setzt, wird sich der Standard weiter etablieren.

In einer starken branchenübergreifenden Gemeinschaftsinitiative starteten Galeria Kaufhof und Real (Unternehmen der Metro Group), Kaiser’s, Obi sowie Rewe, Penny, Temma und Oh Angie (Unternehmen der Rewe Group) gemeinsam mit Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone am 15. April mit ambitionierten Erwartungen. Die Zeichen sind gesetzt: Das Projekt zeigt, dass das Bezahlen mit dem Smartphone spürbar an Akzeptanz gewinnt. Die absolute Steigerung an Transaktionen ist eine große Herausforderung, die die Partner in den nächsten Monaten angehen werden. Mobile Payment ist für den Handelskunden eine bequeme, schnelle und sichere Bezahlform. Es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis das Smartphone seinen Platz neben Bargeld und Karte gefunden hat.

Eine weitere interessante Erkenntnis ist, dass der Durchschnittsbon bei rund zehn Euro liegt, und das einfache und komfortable Zahlverfahren für den schnellen Einkauf zwischendurch zählt. NFC City Berlin trifft damit den Zeitgeist. Durch die enge Partnerschaft der Mobilfunkanbieter mit dem Handel kann man bald in nahezu ganz Berlin mit dem Smartphone bezahlen — ein Trend ist, der sich auf ganz Deutschland ausbreiten dürfte.

Die Initiative NFC City Berlin steht grundsätzlich allen Handelsunternehmen offen. Möglich wurde die Kooperation der Partner durch GS1 Germany als neutrale Plattform. Das Unternehmen ist in erster Linie bekannt durch den Barcode und im Rahmen von NFC City Berlin Ansprechpartner für weitere Partner.

Das erwarten Konsumenten vom mobilen Bezahlen

Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über das Engagement von Handel, Mobilfunkern oder Technologie-Anbietern in Sachen Mobile Payment in den Medien berichtet wird. Doch wie steht es um die Gunst der Konsumenten? Das wollten GS1 Germany und App-Anbieter Barcoo jetzt wissen und befragten gut 1.100 Verbraucher über die Facebook-Seite von Barcoo, wie groß ihre Bereitschaft ist, mit dem Smartphone zu zahlen.

Es zeigte sich, dass die Hälfte der online-affinen Zielgruppe, die befragt wurde, sich grundsätzlich vorstellen kann, mit dem Smartphone zu bezahlen. Dabei scheint es uninteressant, wie hoch der Betrag ist: Konsumenten unterscheiden kaum zwischen Bezahlungen unter und über 25 Euro. Entscheidend ist vielmehr die Usability. Für 67 Prozent der Umfrage-Teilnehmer steht eine einfach zu bedienende App an erster Stelle, wenn sie mobiles Bezahlen erstmalig ausprobieren. Aber auch auf eine einfache Anmeldung legen 51 Prozent der Befragten wert.

Die Umfrage machte auch deutlich, dass Rabattaktionen hilfreich sind, um Verbraucher an Mobile Payment heranzuführen. 67 Prozent der Befragten können sich eher vorstellen, mit dem Smartphone zu bezahlen, wenn sie sparen können. Verbraucher präferieren dabei Sofortrabatte auf den aktuellen Einkauf (77 Prozent).

Mobile Payment ist aber auch eine Vertrauenssache. Wer seine Kontodaten angeben muss, um mit dem Smartphone die Rechnung zu begleichen, will dem App-Anbieter vertrauen können. An der Spitze der Vertrauenswürdigkeit stehen bei 66 Prozent der Befragten die eigenen Banken, gefolgt von etablierten Anbietern für Online-Payment, wie Paypal, mit 43 Prozent sowie Mobilfunknetzbetreibern (24 Prozent). Abgeschlagen sind händlereigene Apps, denen nur 9 Prozent ihr Vertrauen schenken würden und soziale Netzwerke mit gerade 2 Prozent.

Ein Blick auf die Bezahlsituationen verrät, dass sich Konsumenten überall dann den Smartphone-Einsatz beim Bezahlen vorstellen können, wenn es schnell gehen muss: 44 Prozent gaben an, dass sie in Bus, Taxi oder Parkhaus mobil bezahlen würden, gefolgt von Tankstellen (33 Prozent) und Gastronomie (29 Prozent).

Die Vorzeichen sind günstig: Der Konsument steht in den Startlöchern, die Technik in Smartphone und Handel ist vielerorts inzwischen vorhanden — Mobile Payment dürfte somit auch in Deutschland bald zum Alltag gehören.

Weitere Informationen:

Kernergebnisse der Studie "Mobile in Retail 2015"
Informationen zu NFC City Berlin


Ercan Kilic ist Leiter des Strategieprojekts MobileCom bei GS1 Germany.

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