Stratmann: "Es muss eine klare Aufgabenteilung geben!"

Vier Monate ist der Hauptgeschäftsführer des Einrichtungspartnerrings VME, Frank Stratmann, nun schon Präsidiumsmitglied des MITTELSTANDSVERBUNDES. Im Interview erklärt er seine Ziele und wie der stationäre Handel wieder stärker wird.

SynergienNews: Herr Stratmann, Sie sind seit Mai dieses Jahres Mitglied im Präsidium des MITTELSTANDSVERBUNDES. Was haben Sie vor?

Frank Stratmann, Hauptgeschäftsführer der Einrichtungspartnerring VME GmbH & Co. KG und MITTELSTANDSVERBUND-PräsidiumsmitgliedFrank Stratmann: Der Einrichtungspartnerring VME ist schon seit vielen Jahren im MITTELSTANDSVERBUND aktiv und ist ein absoluter Verfechter der Notwendigkeit des Verbands. Da gehört es einfach dazu, sich auch einzubringen. Wir möchten einen Beitrag leisten, dass es in der Verbundgruppenszene und im Mittelstand erfolgreich weitergeht.

SynergienNews: Sie vertreten im Präsidium den kooperierenden Möbelfachhandel. Wo sehen Sie die Herausforderungen speziell für diese Branche?

Stratmann: Wir fühlen uns gerade ein bisschen gebeutelt von den Anforderungen, die aus Brüssel kommen. Deswegen finden wir es sehr wichtig, dass wir uns in der Fachgruppe Möbel zu den Kernthemen positionieren – auch wenn wir im Tagesgeschäft Wettbewerber sind. Nur so können wir einen Gegenpol zu teilweise unnützen Vorschriften bilden und dafür sorgen, dass der stationäre Möbelfachhandel nach wie vor wettbewerbsfähig bleibt. Schließlich wissen wir, dass die große Lobby für den Online-Handel in Brüssel manches Mal zu einer Verzerrung aus Sicht des stationären Handels führt. Hier will ich mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass der stationäre Handel stärker ins Bewusstsein der Politik rückt.

SynergienNews: Können Sie ein Beispiel nennen?

Stratmann: Die E-Geräteverordnung ist ein klassisches Beispiel. Hier werden enorme Anforderungen an uns gestellt, denken Sie nur an die Geräterücknahme.

"Wichtig ist, dass Verbundgruppen nur dort unterstützen, wo es die Händler auch wirklich brauchen." Frank Stratmann, Hauptgeschäftsführer Einrichtungspartnerring VME

SynergienNews: Lassen Sie uns auf das Thema Digitalisierung zu sprechen kommen. Was müssen Verbundgruppen Ihrer Meinung nach leisten, um ihre Mitglieder bei deren Weg in die digitale Zukunft zu unterstützen?

Stratmann: Was wir sehen, ist eine Veränderung des Konsumentenverhaltens. So wird es zum Beispiel in der Möbelbranche immer schwieriger, Lieferzeiten von bis zu zwölf Wochen zu erklären. Das ist aber nur ein Thema aus dem Bereich der Digitalisierung. Der Kunde hat sich komplett verändert: in seiner Vorbereitung auf den Kauf, in der Anzahl an Einkaufsstätten, die er anfährt, in der Art wie er auf Empfehlungen reagiert, wie er kommuniziert und wie er sich fühlen möchte. Um einen zufriedenen Kunden zu haben, müssen wir heute ganz andere Tasten der Klaviatur spielen.

Omnichannel und durchgehende Kommunikation sind nur zwei Stichworte. Wenn man sich jetzt einmal in die Rolle eines mittelständischen Händlers versetzt, stellt sich die Frage, wie das mit den eigenen Kostenstrukturen und Mitarbeitern überhaupt zu leisten ist. Man braucht Partnerschaften. Man braucht Aufgabenteilung. Damit der Mittelstand seine Stärken ausspielen kann, braucht er Unterstützung durch Verbundgruppen.

SynergienNews: In welchen Bereichen sollten Verbundgruppen unterstützen?

Stratmann: Wichtig ist, dass Verbundgruppen nur dort unterstützen, wo es die Händler auch wirklich brauchen, etwa bei der Erstellung von Content und Bildern oder wenn es um die Vorbereitung von technischen Lösungen geht. In der Möbelbranche sollte der einzelne Händler bei den Prozessketten rund um die Ware seine Stärken selbstständig ausspielen. Schließlich kennt er sein Produkt und seine Kunden am besten. Folglich muss auch er dafür sorgen, dass sein POS optimal eingerichtet ist. Das kann in anderen Branchen anders sein. Dort übernehmen Kooperationen etwa sinnvollerweise die Logistik. Man kann das nicht pauschalisieren.

Nehmen wir als Beispiel den Online-Shop, den der Einrichtungspartnerring VME seinen Gesellschaftern zur Verfügung stellt. Wir bieten die bestmögliche technische Plattform, wir liefern suchmaschinenoptimierten Content und ansprechende Artikelstammdaten. Wie der einzelne Händler den Shop nun aber nutzt – ob er beispielsweise Kreditkartenzahlung akzeptiert oder nicht - das bleibt völlig ihm überlassen.

Wie die Verbundgruppe ihre Mitglieder unterstützt, ist letztlich auch eine Frage der Philosophie. Wir beim VME glauben nicht, dass wir bessere stationäre Händler als unsere Gesellschafter sind. Aber wir glauben, dass man mit Kraft der Verbundgruppe bessere Rahmenbedingungen für sie schaffen kann.

SynergienNews: Und wo sehen Sie den MITTELSTANDSVERBUND? Was kann der Spitzenverband zur Stärkung der stationären Betriebe vor Ort leisten?

Stratmann: Hier gilt das gleiche, wie im Verhältnis Verbundgruppe zu ihren Mitgliedern: Es muss eine klare Aufgabenteilung geben und man muss sich darauf verlassen können, dass jede Stufe ihre Leistung erbringt.

Für den MITTELSTANDSVERBUND heißt das vor allem, Lobbyarbeit im Sinne des kooperierenden Mittelstandes zu betreiben. Der Verband muss die dort organisierten 310 Verbundgruppen kompetent informieren und beraten. Und schließlich ist er eine wichtige Kommunikations- und Austauschplattform für seine Mitglieder. Ob DER MITTELSTANDSVERBUND bei der idealen Lösung für einen einzelnen Möbelverband, eine INTERSPORT oder eine expert-Gruppe wirklich unterstützen kann, daran zweifele ich. Kernaufgaben des MITTELSTANDSVERBUNDES sind Denkanstöße, Ideen sowie Inspirationen zu liefern und für die richtigen Rahmenbedingungen – etwa bei Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder der Preispolitik in Vertikalsystemen – zu sorgen.

Dafür werde ich mich einsetzen.

SynergienNews: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Stratmann.

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