Gründergeist: Fehlt Deutschland der Mut?

Die Unternehmensgründungen in Deutschland haben ein Rekordtief erreicht, so eine aktuelle Studie. Die Ergebnisse zeigen: Deutschland kann von anderen Ländern lernen.

Berlin, 28.09.2016 – Konsequenter Bürokratieabbau, mehr Unternehmertum in den Schulen, Weiterentwicklung der Beratungsstellen, besseres E-Government: In der Vergleichsstudie „Unternehmertum – Schlüssel zum Wohlstand von morgen“ hat das Forschungsinstitut IW Consult für den Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft, dem auch DER MITTELSTANDSVERBUND angehört, zahlreiche Innovationshemmnisse in Deutschland zusammengetragen. Das wirkt sich auch auf das Wachstum aus: 2015 lag die Zahl neuer Unternehmensgründungen in Deutschland auf einem Rekordtief von 265.000.

Die internationale Vergleichsstudie nahm sich Deutschland, Großbritannien und Israel vor. Von zentraler Bedeutung der Analyse war der Umgang mit dem Unternehmertum als Treiber für das eigene Wirtschaftswachstum.

Gleicke warnt vor Rechtsextremismus

An der Vorstellung der Studie am 23. September in Berlin nahm auch Iris Gleicke, Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium teil. In ihrer Rede betonte sie, wie wichtig die Unterstützung junger Leute sei. Gleichzeitig warnte Gleicke vor der zunehmenden, rechten Bewegung in Deutschland. „Ein Start-up hat ‚keinen Bock‘ auf Rechtsextremismus“, erklärte sie. Das halte vor allem junge Leute aus dem Ausland davon ab, nach Deutschland zu kommen.

Die Autoren der Studie verwiesen darauf, dass das Wachstum in Deutschland in den letzten Jahrzehnten vor allem auf kleinteiligen Innovationen beruht habe. Künftig bedürfe es jedoch sprunghafter Innovationen mit neuartigen Geschäftsmodellen und radikal neuer Ansätze.

Mehr BIP-Zuwachs in Großbritannien

Während hierzulande mit jeder Unternehmensgründung eine durchschnittliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 940.000 Euro einhergehe, betrage der Zuwachs in Großbritannien 1,96 Millionen Euro, heißt es in der Studie. Wie dem Vereinigten Königreich, das bis vor fünf Jahren noch einen negativen Gründungssaldo aufwies, die Trendwende gelang und wie sich Israel trotz ungünstiger politischer Rahmenbedingungen eine florierende Gründerszene etablierte, wird in der Untersuchung deutlich.

Dr. Karl Lichtblau, Geschäftsführer der IW Consult GmbH brachte es auf den Punkt: „Deutschland ist kein Gründerland.“ Das liege vor allem an der Angst vor dem Scheitern. Aber auch das Ansehen der Unternehmen in Deutschland und das mangelnde Netz an Gründern seien Ursache für den Rückgang der Existenzgründungen.

Daneben kritisierte Thomas Jarzombek, Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion für Digitale Agenda den Datenschutz, der oft hinderlich sei. Er bemängelte außerdem, dass es zu wenig Softwareentwickler in der Bundesrepublik gebe. Ein Beruf, der gerade für die Digitalisierung, und damit auch für die Gründung neuer Unternehmen nunmehr unabdingbar sei. Entscheidend sei nicht die Idee, sondern das Team. „In Deutschland haben wir viel zu große Angst vor ‚Ideenklau‘“, erklärte der Abgeordnete.

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