Von Einhörnern, wohltemperierten Kunden und digitalen Meisterköchen – Inspirationen aus dem Silicon Valley

Zum zweiten Mal zog es den MITTELSTANDSVERBUND und seine Mitglieder auf eine Retail Roadshow für innovative und kreative Lösungen an einen der meist pulsierendsten Orte der Welt. Diesmal standen San Francisco und das Silicon Valley auf dem Programm.


San Francisco, 04.10.2017 – Die zunehmend digital beeinflusste Lebenswirklichkeit fordert mittelständische Handels- und Handwerksunternehmen heraus. Auf der Suche nach Impulsen und kreativen Lösungen zog es Repräsentanten führender Verbundgruppen, darunter auch der Präsident des MITTELSTANDSVERBUNDES Günter Althaus und Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann, vom 23. bis 28. September 2017 in die mittlerweile wohl renommierteste Zukunftsschmiede der Welt – ins Silicon Valley. Organisiert hatte die Reise die Retail Plus GmbH unter Leitung von dessen Geschäftsführer Chris Bücker, der den Verband bereits vor zwei Jahren mit einer erstklassigen Roadshow in New York überzeugen konnte.

San Francisco – the city that knows how

Die Golden Gate Bridge in San FranciscoFür die vielfältigen Begegnungen mit hochrangigen Vertretern bekannter Unternehmen wie Intel, Apple, Google und Logitech und einer gezielten Auswahl handels- und prozessrelevanter Startups nahm die Gruppe im sommerlichen San Francisco ihr Quartier.

Das südliche Flair der 900.000-Einwohner-Stadt mit ihren steilen Berg- und Tal-Straßen und den dort seit weit über einem Jahrhundert verkehrenden, von Touristen geliebten legendären Cable-Cars sowie der Blick auf die Golden Gate Bridge – ebenso die von Pelikanen und Seelöwen bewohnte Bucht von San Francisco, in der Strömung und Haie jede Flucht von Alcatraz, der einst sichersten Gefängnisinsel der Welt, verhindert haben – lässt jeden verstehen, dass nicht nur die Hippies in den 60er Jahren hier ihre Traumwelten und ihr freies Leben suchten, sondern in jüngerer Zeit gerade auch solche Menschen in den Bann gezogen werden, die mit ihren kühnen und kreativen Ideen die Welt verbessern und verändern wollen.

Computertechnik und Digitalisierung bieten geradezu ideale Voraussetzungen für unternehmerischen Gründergeist. Zwar scheitern jährlich viele 1000 und damit die allermeisten mit der Verwirklichung ihrer Träume – doch die, die es schaffen und mit ihren disruptiven Konzepten die klassische Wirtschaft rechts und links überholen, schreiben nicht nur Geschichte, sondern wecken eine Unzahl neuer Träume und schaffen erneut reelle Chancen für Unternehmensgründer und -gestalter. Auf dem eher kargen Landstrich südlich von San Francisco konnten sie einst billige Grundstücke erwerben, sie mit futuristischen Gebäuden versehen und dort ihre Geschäftsmodelle mit dem hier stets an erster Stelle stehenden Erfolgsfaktor „Skalierbarkeit“ perfektionieren.

Präsident des MITTELSTANDSVERBUNDES Günter Althaus und Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Veltmann sowie Mitglieder des MITTELSTANDSVERBUNDES bei GoogleMit den Gründern zog es auch eine Vielzahl kapitalkräftiger Firmen und Personen in die Region, die das Potential erkannten und Risikofinanzierungen und Expertise bereitstellten. Längst nicht mehr aus unserem täglichen Leben weg zu denkende Unternehmen wie Google, Intel, Facebook, Apple und Logitech fanden unter diesen Idealbedingungen hier ebenso ihre Heimat wie eine Vielzahl von noch unbekannten Neugründungen mit für den deutschen Mittelständler unvorstellbarem Wachstumstempo.

Aus der Supply Chain die Demand-Chain machen

Wenn eine Idee gut ist, muss deren Umsetzung mit hoher Vervielfältigung in den Markt gebracht werden. Dies erfordert einen klaren Blick auf die Bedürfnisse des Kunden. Erfolgreiche Startups, die mit der Bezeichnung „Unicorn“ unter den Insidern quasi den Ritterschlag des Silicon Valley bekommen, und sich daraus etablierende größere Unternehmen zeichnen sich gerade durch die ultimative Orientierung an den Bedürfnissen des Konsumenten aus. Die meisten Unternehmen in Deutschland, die erst ihre Angebote konzipieren und diese dann mit enormen Marketingaufwendungen dem Kunden „schmackhaft“ zu machen versuchen, erleben dies freilich als einen „Kulturschock“.

Der Besuch bei Intel brachte die Herausforderung auf den Punkt: „Wir müssen aus der Supply Chain endlich die Demand-Chain machen“ so John Stine, General Manager für Retail Hospitality and Consumer Group. In seinem visionären und rhetorisch herausragenden Vortrag zeigte Stine auf, wie künstliche Intelligenz, augmented reality, machine learning und Spracheingabe sowie die nahezu unerschöpflichen Speichermöglichkeiten in der Cloud die Digitalisierung weiter exponentiell beschleunigen werden. Das Prozess-Know-how seines Unternehmens – durch die Chip-Herstellung gewaltig – sei hierbei überall gefragt.

Die sich mit diesen technischen Möglichkeiten verbindenden Ideen sowie deren Vernetzung und Nutzung durchdringen systematisch alle Lebensbereiche – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Computer, die gerade einmal die Größe eines Hemdknopfes besitzen, nahezu überall für die Analyse von Daten und Steuerung von Prozessen eingesetzt werden können. Der hiermit allzeit mögliche Zugriff auf die Cloud reduziert zudem Speicherplatzkosten für jeden. Wie rasch daraus wiederum neue Geschäftsideen entstehen, andererseits aber selbst jüngst noch sehr erfolgreiche Unternehmen vom Markt gefegt werden können, machte der Besuch bei Logitech beispielsweise eindrucksvoll deutlich. Das bis vor einigen Jahren auf die Herstellung von Computer-Mäusen spezialisierte und weltweit damit sehr erfolgreiche Unternehmen verlor mit dem Aufkommen der Mobilgeräte von Apple, Samsung und anderen in sehr kurzer Zeit nahezu seinen gesamten Markt. Das Management entschied sich gerade noch rechtzeitig, seine Kernkompetenz auf den Bereich Industriedesign zu verlagern und damit Dienstleister für viele Branchen zu werden. Damit ist es nun wieder auf der Erfolgsspur.

Das Silicon Valley – ein Nährboden für revolutionierende Weltneuheiten

Rasch Platz zu greifen scheint aktuell ein neues Wertschöpfungsmodell im Handel, bei dem – wie im Falle des besuchten Startups b8ta – die Handelsfunktion den Herstellern lediglich als Dienstleistung angeboten wird. Insbesondere junge Herstellerfirmen mit niedrigen Marketing-Budgets nutzen dies, indem sie auf den Flächen solcher Dienstleister gegen Miete und Schulung des dortigen Personals in guten Geschäftslagen ihre neu einzuführenden Produkte auslegen. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass der Dienstleister die Kunden berät, aber nicht durch Provisionen den Kauf beschleunigt. Der Handelsdienstleister kommuniziert die Verkaufserkenntnisse und die Kundenreaktionen an den Lieferanten, der mit den so gewonnenen Erkenntnissen sein Produkt und die Werbebotschaften feinjustieren kann.

In den stets sehr offenen und kommunikationsfreundlichen Arbeitswelten des Silicon Valley werden neue Chancen rasch erkannt und konsequent verfolgt. Unternehmen wie Retail Next gehen damit systematisch dem Kunden im Laden auf die Spur und studieren mit spezieller Technik – bis hin zur Wärmebildkamera – das genaue Wegeverhalten und die Verweildauer in den einzelnen Zonen und vor den Regalen. Daraus berechnen sie Vorschläge für effizientere Gestaltungslösungen.

Bei anderen Startups konnte man eine automatisierte kameragesteuerte Lösung für das Never-out-of-Stock-Ziel beobachten oder die Optimierung des Personaleinsatzes. Vielfältig vertreten waren auch höchst innovative Prozessoptimierer, von digitaler Preisauszeichnung über intelligente Artikelerkennung und Logistiklösungen bis hin zu hoch funktionellen Bezahlsystemen mit ausgefuchstem Kunden-Check-in und Check-out auf der Ladenfläche.

Mit großer Akribie arbeiten verschiedene Startup-Unternehmen zudem daran, die Kommunikationslücke zum lokalen Kunden gegenüber dem Online-Kunden zu schließen. Während nämlich 79 Prozent aller Onlineshopper nach dem Kauf eine Nachricht vom Lieferanten erhalten, erleben das die Offline-Käufer nur zu einem Prozent. Spannende Ansätze hierzu bietet das Cross-Selling mit Bündelpreisen, wobei der Kunde bei Registrierung einen zweiten Artikel vergünstigt erhält, eine Bewertung vornimmt, bei der Identifikationsdaten bereitgestellt werden und er beispielsweise Zugriff auf eine Geschenkkarte in der Cloud erhält. Auch wurden Modelle diskutiert, bei denen nicht im Geschäft vorhandene Artikel über virtuelle Lager angeschaut und bei Bestellung in kürzester Zeit per Drohnenlieferung bereitgestellt werden.

Die Korrespondenz zwischen Backofen und Kühlschrank

Das Startup innit zeigt die vollvernetzte KücheEine der spannendsten Innovationen bot das Startup Innit. Sein Gründer, Kevin Brown, hatte im Rahmen eines – wie er es nannte – komplett digitalen Nahrungs-Ökosystems eine vollvernetzte und hoch intelligente Küche entwickelt, bei welcher der Backofen auf Netzdaten zur optimalen Zubereitung von Gerichten und in Korrespondenz mit dem Kühlschrank auf Informationen über vorhandene Vorräte zurückgreift.

Auf diese Weise können die Nutzer nicht nur genauso kochen wie die größten Meisterköche der Welt, sondern es lässt sich auch die Lebensmittelverschwendung minimieren und der Energieeinsatz deutlich reduzieren. Größe und Gewicht des zuzubereitenden Gutes können mittels eines simplen Scanners erfasst werden. Dass dies tatsächlich zu einer maximalen Gaumenfreude führt, konnte ein jeder der Gruppe bei der Live-Demo mit anschließendem Verzehr erleben.

Werden auch Sie zum „Unicorn“

Erstmals in Deutschland werden revolutionäre Weltneuheiten wie diese voraussichtlich auf der InDiCom, die der Mittelstandsverbund als Partner der Koelnmesse vom 3.- 4. Juli 2018 in Köln veranstaltet, zu sehen sein. Den Termin sollten sich all jene vormerken, die mit der digitalen Transformation in ihrer Verbundgruppe oder ihrem Franchisesystem nicht nur im Schneckentempo vorankommen und von Startups und jungen innovativen Ideen und praxistauglichen Lösungen profitieren wollen. Lassen Sie sich die Chance nicht entgehen, vielleicht steckt ja auch ein Einhorn in Ihnen und Ihrer Gruppe!

Eines hat die Reise deutlich unterstrichen: Kundendaten und deren gezielte Nutzung werden die nahe Zukunft von Handel und Mittelstand bestimmen. Die Geschwindigkeit zur Umsetzung zählt hierbei mehr als die Größe. Das gilt gerade für die Ladenfläche. Wer dies nicht beherzigt, hat im Wettbewerb keine Chance und stirbt.

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