Generalversammlung von Independent Retail Europe in Rotterdam – Schauplatz politischer Appelle und praktischer Innovationen

Die diesjährige Generalversammlung des Europäischen Dachverbandes der Verbundgruppen selbstständiger Einzelhändler, Independent Retail Europe, bot einen tiefen Einblick in überraschende Innovationskonzepte aus ganz Europa. Es zeigt sich deutlich: Der Kundennutzen rückt weiter in den Fokus.

Rotterdam, 12. Oktober 2018 – Der Gastgeber der diesjährigen Generalversammlung, die EURONICS International BV, lud die Mitglieder von Independent Retail Europe nach Rotterdam ein.

Die diesjährige Generalversammlung des Europäischen Dachverbandes der Verbundgruppen selbstständiger Einzelhändler, Independent Retail Europe, bot einen tiefen Einblick in überraschende Innovationskonzepte aus ganz Europa. Für erstmalige Besucher präsentierte sich die Hafenstadt bei wahrem Kaiserwetter einladend und top-modern. Die Besichtigung ausgewählter Geschäfte am Vortag der Generalversammlung gab eine ersten Eindruck von der Innovationskraft des Standortes. Auffallend war beispielsweise, dass bei noch so kleinen Zahlbeträgen Bargeld kaum noch eine Rolle zu spielen scheint.

Die Generalversammlung selber wurde mit einem politischen Überblick aus der Perspektive der EU-Kommission eingeleitet: Damir Hajduk, Head of Unit der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU (GROW) und zuständig auch für den Einzelhandelssektor, stellte aktuelle und zukünftige Maßnahmen seines Hauses dar. Dabei leitete er seinen Vortrag mit dem Versprechen ein, dass jegliche Maßnahmen der Kommission auf einer breiten Tatsachengrundlage fußen müssten. Der ständige Kontakt mit den betroffenen Interessenvertretern sei daher äußerst wichtig. Im Frühjahr 2019 sollten zu verschiedenen Themenschwerpunkten eine Reihe von Workshops stattfinden. Im Fokus der Kommission bleiben dabei insbesondere die Digitalisierung sowie die Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit in einzelnen Mitgliedstaaten.

Marcel Rangnow, Senior Venture Lead, EDEKA Food Tech Project, stellte im Anschluss das Innovations-Flaggschiff seiner Genossenschaft vor: den Food Tech Campus. Diese Innovations-Plattform, der im November dieses Jahres offiziell in Berlin startet, bringt vor Ort Handel, Start-Ups und unternehmerische Kompetenz rund um das Thema Lebensmittel zusammen – ein fruchtbarer Ansatz für alle Beteiligten und ein Garant für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Francesco Secchi, Director Members & Business Development, Euronics, präsentierte danach seine Verbundgruppe und deren Innovationskonzepte. Euronics setzt dabei auf einen Mix aus Smart Devices, neuer Kooperationen wie beispielsweise im Bereich Gesundheit sowie die Erschließung neuer Märkte wie die strategische Partnerschaft mit Sharaf DG in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zunehmend spielt „Retail as a service“ eine Rolle, in der für Lieferanten Ware präsentiert und verkauft wird. Der Händlerertrag ist dabei nicht die Handelsspanne, sondern die Flächenmiete oder eine Provision.

Jeder Verbraucher ist anders und verlangt nach individuell zugeschnittenen Angeboten im Einzelhandel – die finnische Verbundgruppe K GROUP hat sich diesen Anspruch auf die Fahne geschrieben und schreitet mit großen Schritten voran, wie Heidi Jungar, Customer Insight Director, K GROUP, eindrucksvoll unter Beweis stellte. Doch wie versteht man einen Kunden, der vielleicht die teuerste Pasta-Sauce kauft, aber gleichzeitig ohne Bedenken zur Pasta für 39 Cent greift? Die K GROUP investiert daher immens in die Erfassung von Kundenpräferenzen und nimmt sich dabei an der mittlerweile stark App-gesteuerten Gesellschaft in den asiatischen Ländern ein Beispiel. Doch auch die Geschäfte der K GROUP sollen das ganzheitliche Konzept der Verbundgruppe wiederspiegeln: So darf neben Umweltaspekten das Wohlfühlen in den neu designten Märkten nicht fehlen. 

Die Bedürfnisse des Menschen haben sich seit hunderten von Jahren nicht geändert, nur die Art und Weise der Artikulation ist nunmehr eine andere. So könnte man grob die Grundmaxime der Innovationskonzepte der schwedischen ICA Verbundgruppe zusammenfassen. Auch hier scheint Diversifikation des Angebots das Mittel der Wahl zu sein: ICA-Geschäfte vereinen unter einem Dach dabei Non-Food-Geschäfte, Apotheken und neuerdings sogar Arztpraxen, die rund um die Öffnungszeiten besetzt sind, erklärte Liv Forhaug, CSO der ICA Gruppen. Der Focus auf den Gesundheitssektor soll sich zudem in neuen Verbundgruppen-eigenen Konzepten und Anwendungen niederschlagen. Ein besonderer Hingucker: über eine App kann der ICA-Kunde seinen ökologischen Fingerabdruck beim Kauf im Vergleich zum Optimum abrufen. Noch ein Pilotprojekt, vielleicht aber schon bald fürs Roll-out tauglich.

Die Veranstaltung rundete Jonathon Ringer, Partner and Director, Bain & Company´s London office, einem Beratungsunternehmen, ab. Seine Einschätzung: Physische Ladengeschäfte werden auch zukünftig nicht an Relevanz verlieren. Eine Gefahr mit Blick auf die Internet-Giganten stellen dabei Stimm-basierte Assistenten dar; eindrucksvoll demonstrierte er beispielsweise, wie Amazon´s Alexa bei Produktsuchen äußerst selektiv vorgeht und unterschiedliche Preise im Vergleich zur Homepage aufruft – hier besteht ein Transparenzproblem. Wichtig sei für den Einzelhandel jedoch auch die Kooperation mit Logistik-Spezialisten, die die äußerst engen Zeitvorgaben der Kunden erfüllen könnten.

Insgesamt konnte jeder Teilnehmer von der Fülle der vorgestellten Ansätze aus ganz Europa für seinen Verband oder sein Unternehmen viele Impulse mitnehmen. Interessierte weitere Verbundgruppen sind daher bereits jetzt herzlich eingeladen, an diesem spannenden Austausch auf der Generalversammlung im nächsten Jahr teilzunehmen.

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